Kunst im Netz
Mit der Maus die Kunst aufspüren

Mit einiger Verspätung entdeckt der Kunstbetrieb die Attraktivität des World Wide Web. Museen gehen mit ihren Sammlungen online. Händler stellen ihr Angebot und vereinzelt sogar ganze Ausstellungen ins Netz. Doch die teuren Werke bleiben außen vor.
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KleveWenn man bei gedrückter Taste die Maus etwas zu schnell bewegt, kann einem fast schwindelig werden vor so viel geballter Kunst. Die neue virtuelle 3-D-Panoramatour durch bisher vier Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden erlaubt einen intimen Blick in die heiligen Hallen der Kunst: zu jeder Zeit, von jedem Standort, aus jedwedem Grund, sei es zu Forschungszwecken, aus Neugierde oder einfach purer Lust an der Kunst. „Ziel ist es, die Vielfalt der Museen abzubilden und die Atmosphäre einzelner Räume zu transportieren", sagt Museumssprecher Stephan Adam. Auch Werke aus allen zwölf Museen der Sammlung sind seit August im Netz zu bestaunen.

Basis der „SKD Online Collection“ ist das seit 2007 laufende wissenschaftliche Provenienz-Rechercheprojekt Daphne, das auch nach etwaiger NS-Beutekunst in den Museumsbeständen sucht. Sind es zurzeit noch 20.000, so ist für die nächsten Jahre eine vollständige Inventur der rund 1,2 Millionen Objekte fassenden Kunstsammlungen geplant. „Wir erhalten viel positives Feedback bezüglich unserer neuen digitalen Strategie, vor allem auch über die Social-Media-Kanäle“, so Adam. Als nächster Schritt ist die Entwicklung eines Apps angedacht.

Museen rüsten digital auf

Die Dresdner Sammlungen gehören zu den Museen, die in Deutschland digital aufrüsten. Sie folgen damit einem internationalen Trend, der vor circa zehn Jahren seinen Anfang nahm. Damals gingen die Tate Britain in London, das Museum of Modern Art und das Guggenheim Museum in New York mit ihren Beständen online. Mittlerweile sind diese und 15 andere weltbekannte Museen Teil des Google Art-Projekts, das es erlaubt, mittels hochauflösender Bildtechnik Gemälde bis zur Hautfalte der darauf Abgebildeten unter die Lupe zu nehmen. Daneben sind die Suche nach Werken bestimmter Künstler sowie der direkte Vergleich innerhalb der teilnehmenden Sammlungen möglich.

Auch das Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt ist seit Juni dabei, die 4.500 Werke seines bis in die 1950er-Jahre zurückreichenden Bestandes online zu stellen. Sukzessive soll der digitale Katalog um Texte, kurze Videos und Audiodokumente zu den Künstlern (darunter Katharina Fritsch, Hanne Darboven, Gerhard Richter und Bruce Nauman) erweitert werden. Darüber hinaus lockt die Homepage mit Sammlungsschwerpunkten, Neuerwerbungen und der Rubrik „derzeit ausgestellt“.

„Wir haben schon etliche Anfragen anderer Museen erhalten, die selbst mit ihrer Sammlung online gehen wollen", freut sich MMK-Sprecherin Christina Henneke. Inzwischen nutzten monatlich über 2.000 Personen diesen Bereich der Website. „Aber auch eine generelle Steigerung des Zugriffs auf die Museumswebsite konnten wir feststellen“, betont Henneke den Synergieeffekt.

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