Kunstfälschungen
Kölner Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Im Fälschungsskandal werden vier Verdächtige jetzt vor Gericht gestellt. Nach monatelangen Ermittlungen wurde jetzt Anklage erhoben. Es geht zunächst um 14 von insgesamt 47 in den Handel gebrachte Bilder.
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Düsseldorf Neun lange Monate ermittelte die Staatsanwaltschaft Köln im Fälschungsfall Jägers. Jetzt erhob sie Anklage gegen vier Verdächtige. Ihnen wird gewerbsmäßig begangener, bandenmäßiger Betrug und Urkundenfälschung in 14 Fällen zur Last gelegt.

Der Anklagevorwurf umfasst zunächst 14 von insgesamt 47 mutmaßlichen Fälschungen von Gemälden der Klassischen Moderne. Sechs Künstler sind nach Auffassung der Staatsanwaltschaft betroffen: Max Pechstein mit den beiden Bildern „Seine mit Brücke und Frachtkränen“ und „Liegender weiblicher Akt mit Katze“ sowie Heinrich Campendonk mit den drei Bildern namens „Landschaft mit Pferden“, „Rotes Bild mit Pferden“ und „Else Lasker-Schüler gewidmet“. Bei den fünf angeblichen Max Ernst-Arbeiten handelt es sich um „La Horde“, „La Mer“, „Oiseaux“, „Vogel im Winterwald“ und um „La Fôret“. Gelistet sind ferner ein „Matisse peignant à Collioure“ und ein „Collioure“ betiteltes Bild von André Derain, ein „Akt mit Hut“ von Kees van Dongen und ein „Nature Morte“ betitelter Fernand Léger.

Angeklagte sind "hinreichend" verdächtig

Angeklagt sind die 52jährige Helene B. und ihr Ehemann Wolfgang B. (60), Helene Bs. Schwester Jeanette S. (53) und Otto S.-K. (67). Bis auf Jeanette S., die sich maßgeblich „nur“ an drei der 14 Fälle maßgeblich beteiligte, sitzen alle in Untersuchungshaft, zwei von ihnen schon seit neun Monaten. Für die Staatsanwaltschaft sind sie „hinreichend“ verdächtig, „die gefälschten Gemälde unter den fingierten Provenienzen „Sammlung Werner Jägers“ und „Sammlung Wilhelm Knops“ europaweit in den Kunsthandel eingebracht und sich dadurch Einnahmen von mehreren Millionen Euro verschafft zu haben“, heißt es in einer Presserklärung der Staatsanwaltschaft Köln.

Verhandelt wird der Fall am Landgericht Köln. Wann das Hauptverfahren eröffnet wird, war zur Stunde noch nicht bekannt. Aber da es sich um eine Haft-Sache handelt, wird das Verfahren nach Einschätzung von Pressesprecherin Christina Pohlen bevorzugt behandelt. Den Angeklagten stehen ein bis zehn Jahre Haft in Aussicht. So sieht es das Strafgesetzbuch nach § 263 Abs. 5 für derartige Taten vor.

Gesondertes Verfahren für 33 Fälle

33 weitere Fälle wurden von der Staatsanwaltschaft für ein gesondertes Verfahren erst einmal ausgeklammert. Hier stehen außer den Angeschuldigten drei weitere Personen im Zentrum der Ermittlungen. Einzelheiten gibt die Staatsanwaltschaft noch nicht preis, um den Ermittlungszweck nicht zu gefährden.

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