Kunstversteigerung
Deutschlands erste Auktionatorin

Vor 50 Jahren gründete Carola van Ham ihr Auktionshaus. Mit der Kunst des 19. Jahrhunderts fand sie schnell eine Marktnische, die heute noch stabile Umsatzzahlen liefert.
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KÖLN. "Ich war überhaupt nicht aufgeregt", erinnert sich Carola van an den 16. Oktober 1959. An diesem Tag vor 50 Jahren schrieb die damals 34-jährige Kunsthistorikerin Auktionsgeschichte. Denn sie war die erste Frau, die in Europa den Beruf des Kunstversteigerers ausübte.

1959 gründete sie das "Kunsthaus am Museum" in der Kölner Innenstadt. Zuvor hatte sie im Auktionshaus von Franz A. Menna gearbeitet. Als der sein Geschäft aus Altersgründen aufgab, wagte sie mit seiner Kundenkartei, aber unter eigenem Namen und in eigenen Räumen den Sprung in die Selbstständigkeit. 450 000 D-Mark setzte sie in ihrem ersten Geschäftsjahr um. "Der Ton war ja etwas rau", beschreibt sie die damaligen Sitten im Auktionssaal. "Aber ich habe immer Schützenhilfe aus dem Saal bekommen." Denn die Sammler und Händler wussten, was sie an der jungen Frau hatten. Schließlich beackerte sie neben der angestammten Alten Kunst ein Feld, das von der Konkurrenz weitgehend ignoriert wurde: das 19. Jahrhundert. Auch die Museen machten einen weiten Bogen um die Kunst dieser Zeit, die pauschal unter Kitschverdacht stand, wenn es sich nicht gerade um Impressionismus handelte.

"Das ist selbst heute noch so", erklärt Markus Eisenbeis (40), Sohn von Carola, der das Unternehmen als persönlich haftender Gesellschafter seit 1996 leitet. Der Umsatz betrug 2008 rund 18 Mio. Euro, im Rekordjahr 2007 gar 20 Mio. Vor einigen Jahren habe er sich gefragt, wer die Kunst des 19. Jahrhunderts in Zukunft noch kaufen solle. "Tatsächlich sind die Umsätze aber in keiner Sparte so stabil." Zuerst hätten russische Sammler den Markt dominiert, in letzter Zeit seien Italiener, Franzosen und sogar Deutsche dazugekommen. Gleichwohl verhalte es sich hier wie bei Alten Meistern: das Angebot ist begrenzt, Nachschub nicht in Sicht und über kurz oder lang landeten die besten Stücke in Museen.

Daher habe er sich schon früh diversifiziert und das Spektrum erweitert. 1998 gab es die erste eigenständige Auktion von Zeitgenössischer Kunst, Fotografie folgte zwei Jahre später. 1999 unternahm Eisenbeis einen ungewöhnlichen Schritt: Das "Kunsthaus am Museum" gab die Räume in repräsentativer Citylage auf und bezog unter dem Namen Van Ham im Süden der Stadt ein großzügig bemessenes Domizil. Strategisch eine gute Wahl, denn mittlerweile haben sich nebenan und am umgewandelten Rheinauhafen einige Galerien und Institutionen angesiedelt.

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