Literaturagenten
Die diskreten Geschäfte der Buch-Macher

Auf der Frankfurter Buchmesse werden rund 100 000 Neuerscheinungen präsentiert. Doch bevor sie dorthin kommen, brauchen sie die Hilfe eines Vermittlers. Wie Literaturagenten über Aufstieg und Fall eines Autors entscheiden.

HB FRANKFURT. Keine eigene Internetadresse. Nicht mal ein Firmenschild aus Kunststoff oder Metall, mit dem heutzutage jeder Arzt oder Rechtsanwalt wirbt. Nur ein schmales, unauffälliges Klingelschild weist am Eingang des Hauses Mommsenstraße 11 in Berlin-Charlottenburg den Weg.

Hinter der grünen Fassade des Jugendstilgebäudes residiert eine Frau, die es sich leisten kann, so diskret zu arbeiten. Sie ist bei Schriftstellern und Verlagen bestens bekannt. Ihr Name ist Karin Graf, sie zählt zu Deutschlands führenden Literaturagenten und damit zu einer Spezies, die entscheidenden Einfluss darauf hat, ob ein Manuskript im Papierkorb landet oder später in der Bestseller-Liste.

"Das sind alles Werke der von uns vertretenen Autoren", sagt die Dame im eleganten, schwarzen Kostüm. Sie zeigt in ihrem Büro mit altem Parkett und Stuckdecken auf ein hüfthohes, fast raumlanges Regal mit Büchern. Die Frau mit der leisen Stimme mag kaum einen ihrer 120 Autoren hervorheben, für die sie mit Verlagen um Honorare und Auflagen ringt.

Oben liegen neue Werke wie "Der Schachautomat" von Robert Löhr oder "Der Duft des Kaffees" von Gerhard J. Rekel, unten Bücher von Schriftstellern wie Karen Duve, John von Düffel, Ingo Schulze und Wibke Bruhns - Belletristik und Sachbuch bunt gemischt. Im Flur wirbt ein Flyer für das Buch zum Film "NVA" von Leander Haußmann, der gerade angelaufen ist.

Karin Graf, die vor gut zehn Jahren mit einer Partnerin anfing und heute zusätzlich fünf Mitarbeiter beschäftigt, gehört zur Riege der zwei Dutzend größeren von etwa 100 Literaturagenten in Deutschland. Sie haben sich zu einer Macht entwickelt. Sie mischen das Buchgeschäft immer stärker auf und bestimmen maßgeblich mit, was in die Regale kommt und wie viel die Verlage dafür bezahlen müssen. Nach Branchenschätzungen sind sie bei der Hälfte der 100 000 Neuerscheinungen beteiligt, die auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert werden.

Der moderne Agent ist Talentsucher, Coach, erster Leser und Buchhalter der Autoren: Er filtert aus Hunderten Manuskripten die besten heraus, berät die Schriftsteller bei Handlungsstrang und Spannungsbogen, sucht aus, in welches Verlagsprogramm der Stoff passt, und kontrolliert auch noch den Honorarfluss. Kurzum: Er weist den Weg in die Buchhandlungen.

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