Kultur + Kunstmarkt
Männer bekennen sich eher zu Angststörungen als Frauen

Männer bekennen sich nach Expertenmeinung eher als Frauen zu sozialen Angststörungen. Das sagte der Psychologe Alexander Gerlach vom Psychologischen Institut der Universität Münster.

dpa MüNSTER. Männer bekennen sich nach Expertenmeinung eher als Frauen zu sozialen Angststörungen. Das sagte der Psychologe Alexander Gerlach vom Psychologischen Institut der Universität Münster.

„Obwohl Frauen doppelt so häufig von der so genannten Sozialphobie betroffen sind, hält sich das Verhältnis bei den behandelten Patienten die Waage.“ Soziale Angststörungen sind von extremen Versagens-und Kontaktängsten gegenüber anderen Menschen geprägt.

Von Männern werden häufiger Initiative und das Auftreten vor Anderen erwartet. „Deshalb stoßen Männer mit sozialen Angststörungen meist schneller an ihre Grenzen und suchen im Verhältnis auch eher Hilfe bei Psychologen.“ Im schlimmsten Falle seien sie vom beruflichen Aus bedroht. Für Frauen sei es leichter, angstbesetzte Situationen zu meiden: „Wenn man an Partys denkt, dürfen Frauen in unserer Gesellschaft immer noch gefragt werden und müssen nicht von sich aus Initiative zeigen“, sagte der Psychotherapeut.

Unter sozialen Phobien leiden rund fünf Prozent der Gesellschaft. Angststörungen in ihrer Gesamtheit seien die dritthäufigste psychische Erkrankung hinter Alkoholabhängigkeit und Depression. Menschen mit Sozialphobien haben laut Gerlach etwa Angst, vor anderen Menschen zu reden oder negativ bewertet zu werden. Bei anderen äußere sich die Erkrankung darin, dass sie in Gesprächen schnell rot würden und sich in Gruppen unwohl fühlten. „Bei extremer Ausprägung und zunehmender Vermeidungshaltung ist dies behandlungsbedürftig.“

Die Erkrankung ist den Worten des Experten zufolge zwar kein spezielles Phänomen der Industriegesellschaften, aber in unterschiedlichen Kulturen verschieden ausgeprägt: „Im asiatischen Raum etwa gibt es eine nur dort vorkommende Variation der sozialen Angststörungen.“ Anders als bei uns beziehe sich die Angst auf den jeweils anderen Menschen, der durch das vermeintlich falsche Verhalten peinlich berührt sein könnte. „Dort steht eher die Würde des Anderen im Fokus und nicht die eigene“, sagte der Diplompsychologe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%