Masterpiece
Eine Messe findet ihren Platz

Mit ihrem Angebotsmix aus allen Stilepochen setzt Londons Masterpiece inzwischen international Maßstäbe. Die Nachfolgerin der alten Grosvenor House Messe ist weniger elitär als die Biennale des Antiquaire in Paris und lockerer als die Tefaf in Maastricht.
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LondonEiner der außergewöhnlichsten Stände der Londoner „Masterpiece Fair“ (bis 1. Juli 2015) ist verborgen, fast im hintersten Eck und zeigt doch die neue Macht und Präsenz der Kunstmessen, deren unerhörter Aufschwung im letzten Jahrzehnt die Antwort des Handels auf die wachsende Macht der Auktionshäuser ist. Der wenig bekannte Uhrenhändler Carter, Marsh & Co aus dem englischen Winchester zeigt und verkauft eine der potentesten Uhren-Sammlungen, die in den letzten Jahrzehnten zusammengestellt wurden: Über 100 Uhren – englische „clocks“, darunter Dutzende Arbeiten des größten englischen Uhrmachers, Thomas Tompion - Die „Tom Scott Collection“.

Was vor einigen Jahren noch in einem großen Katalog mit großem Aufwand in einem der Auktionshäuser versteigert worden wäre, wird nun über eine Messe vermarktet. „Es ist billiger“, sagt Richard Garnier, der den verstorbenen Sammler einst als Christie’s Uhrenexperte beriet und sich nun um den Verkauf kümmert. Eines der Starstücke, die „Medici Tompion“, wurde bereits für einen Preis von um 4 Millionen Pfund an einen amerikanischen Sammler verkauft. Ein zweites Starstück, die „Hanover Tompion“ mit der Nummer 417 hat einen Preis um 3,5 Millionen Pfund. Das in Schildplatt dekorierte Stück stammt aus der Zeit von Queen Anne und tauchte 2003, ohne Provenienzgeschichte in einem Auktionsverkauf der deutschen Grafen Schulenburg wieder auf, Nachkommen einer Mätresse von König George dem I.

100 Millionen Pfund Verkaufsvolumen

Der Stand zeigt, wie selbstsicher und entspannt sich die „Masterpiece Fair“ nun als würdige Nachfolgerin der alten Londoner Grosvenor House Messe etabliert und ihr eigenes Fahrwasser gefunden hat. Fast 40.000 Zuschauer kommen, das Verkaufsvolumen hat der Messeleitung zufolge im letzten Jahr 100 Millionen Pfund erreicht. Als führende „Cross Over Messe“, auf der Kunst, Antiquitäten und Dekoration aus allen Perioden, Ländern und Stilepochen Schulter an Schulter um die Aufmerksamkeit der Sammler und Bummler eifern, hat sie ihre Position in der internationalen Messelandschaft gefunden.

Persönlicher und weniger elitär als die Pariser Biennale des Antiquaires, lockerer als Maastricht, wo weiterhin streng nach Sparten angeboten wird und der Qualitätsdruck am größten ist, großzügiger als die Art Antiques London, die kleine, feine Sammlermesse, die der Masterpiece London im Londoner Kunst-Juni vorausgeht, breiter aufgestellt und turbulenter als die „Frieze Master“, wo nur die feine Kunst Zutritt hat.

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Eiffelturm auf 4,50 Meter Höhe

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