Matthias Arndt
Der ewige Netzwerker

Taxistand vor der Kunstmesse „Frieze“ am Rande des Regent Park mitten in London. Kleine Grüppchen warten in der Dämmerung geduldig auf die schwarzen Droschken. Zaghaft fragt ein Gentleman seinen Vordermann in der Schlange: „Könnte es sein, dass Sie Matthias Arndt sind?“ Herzliches Lachen ersetzt die Antwort.

HB LONDON. Sofort sind der Galerist aus Berlin und der südamerikanische Kunstvermittler im Gespräch – in fließendem Spanisch. Bevor die ersehnte Taxe anrollt, tauschen sie noch schnell ihre Karten.

Dann macht sich Matthias Arndt auf zur ersten von mehreren Vernissagen in Londons Galerieszene. Küsschen hier, Küsschen da, Hände schütteln, am Wein nippen, Sammler und Museumsleute aus aller Welt treffen. Kontakten, kontakten, kontakten.

Typisch Arndt: Der schlanke Mann mit dem gegelten Strubbel-Haar, der schnell spricht und denkt, ist bis tief in die Nacht unterwegs, um seine Künstler zu vermarkten. Und er ist nicht nur bestens verdrahtet: Arndt gilt als eine der besten Spürnasen, geht es um neue Künstler. Das bescheinigen ihm auch seine Kunden, darunter so angesehene Sammler wie der Immobilienentwickler Marty Margulies aus Miami.

So hat er die französische Konzeptkünstlerin Sophie Calle groß gemacht, die mit Spurensuche in Foto- und Textform für Furore sorgt. Ihre Werke kosten bei Arndt heute bis zu 80 000 Euro. Arndt & Partner war auch die erste Galerie, die den Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn für den internationalen Markt entdeckt hat, der mit seinen altarartigen Installationen aus Alltagsgegenständen für Aufsehen sorgt.

Arndt gehört zu den wichtigsten jüngeren Galeristen, die auf dem Kunstmarkt weltweit die Trends setzen. Sie entdecken aufstrebende Talente, bieten ihnen Ausstellungsräume an, legen die Preise fest, bringen sie bei Sammlern und in Museen unter und machen sie so zu gefragten Künstlern.

Ein heißes Geschäft, bei dem der richtige Riecher, das richtige Timing und die richtigen Kontakte entscheiden. Aber für Arndt „kam etwas anderes als Galerist nicht in Frage“, erzählt er bei der nächtlichen Tour durch London. Zwar macht er nach dem Wirtschaftsabitur auf Drängen der Eltern eine Banklehre in Frankfurt. Doch diese geordnete Welt ist nichts für den Mann, der kurz Kunstgeschichte studiert, parallel dazu eine Studentengalerie führt und am liebsten salopp in T-Shirt, Sakko und Jeans zu Terminen erscheint.

Er bringt es bald zum Geschäftsführer einer Galerie in Berlin. Und als 26-Jähriger macht er sich 1994 mit Arndt & Partner in Berlin selbstständig, bis heute unterstützt durch einen Finanzpartner.

Trotzdem ist oft das Geld knapp. Arndt produziert auf eigene Kosten Ausstellungskataloge, Messeauftritte und Projekte seiner Künstler. „Über Jobs wie den Besucherservice der Documenta X in Kassel, bei der Weltausstellung Expo und in der Autostadt Wolfsburg habe ich das Geld verdient, das die Galerie verbrannt hat“, gesteht er: „Es hat sieben Jahre gedauert, bis wir schwarze Zahlen schrieben.“

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