Neue Bücher erklären, wie der islamistische Terror weltweit operiert
Der globale Dschihad

Literatur über den internationalen Terrorismus sorgt derzeit für prächtige Verkaufszahlen. Entsprechend groß ist die Zahl der Autoren, die ein Stück von diesem Kuchen abhaben wollen. Der Publizist Berndt G. Thamm ist einer von ihnen. In seinem neuen Buch beschäftigt sich Thamm mit dem globalen Netzwerk des Terrors rund um Al-Qaida.

Dessen Vorgeschichte, so schreibt Thamm, geht auf das Jahr 1928 zurück, als in Ägypten die Muslimbruderschaft gegründet wurde - die erste "Islamistische Internationale". Deren Vordenker Hassan al-Banna predigte 1938: "Derjenigen Nation, welche die Industrie des Todes perfektioniert und die weiß, wie man edel stirbt, gibt Gott ein stolzes Leben auf dieser Welt und ewige Gunst in dem Leben, das noch kommt."

Thamms Prognose für die Zukunft fällt düster aus: "Die Hauptakteure des globalen Dschihads mögen im Verlauf der Jahre und Jahrzehnte wechseln. Die Formen dieses Dschihads hingegen - der bewaffnete Kampf, der ideologische Kampf und der Wirtschaftskrieg - bleiben, wie auch das Ziel der Errichtung eines weltweiten islamischen Gottesstaates." Doch einige Passagen des Buches wirken reichlich irritierend. Warum etwa stellt Thamm seinen Ausführungen einen historischen Überblick über die Kreuzzüge voran? Zwar nehmen Osama bin Laden & Co. immer wieder Bezug auf die Kreuzfahrer, doch bedeutet in diesem Kontext der Hinweis auf die Grausamkeiten der christlichen Heere aus dem Mittelalter nichts anderes als eine Rationalität des antiwestlichen Wahns der Dschihadisten.

Einen anderen Ansatz wählt Jean-Charles Brisard. Der Franzose wurde 2002 mit Untersuchungen über die Finanzströme und die logistische Struktur von Al-Qaida betraut. Seine Auftraggeber waren Anwälte von Personen, die Angehörige bei den Terroranschlägen des 11. September verloren hatten. Bei dieser Arbeit rückte immer stärker die Person Abu Mussab al-Sarkawi in den Fokus. Weltweite Bekanntheit erlangte der gebürtige Jordanier im Mai 2004, als er vor laufender Kamera dem Amerikaner Nicholas Berg den Kopf abschnitt. Bald galt er als Mastermind hinter dem suizidalen Terror im Irak.

Brisard zeichnet den Werdegang al-Sarkawis vom Kleinkriminellen zum islamistischen Mörder minutiös nach und wirft vor diesem Hintergrund ein Licht auf die oft verwirrenden Strukturen von Al-Qaida. "Seit ihrer Gründung 1988 beruht die Organisation Al-Qaida auf einem komplexen persönlichen Beziehungsgeflecht.

Jede Gruppe - ob Jordanier, Ägypter, Algerier, Tunesier oder Kurden -, die in Afghanistan präsent ist, vertritt eine eigene Auffassung vom Dschihad", schreibt Brisard. "Durch den Treueschwur zwingt bin Laden den vereinzelt aufkommenden Widerspruchsgeist nieder und eint vor allem die verschiedenen ,national-islamistischen? Gruppen unter einem Banner."

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