Kultur + Kunstmarkt
Neue Erkenntnisse im „Fall Störtebeker“

Der legendäre Seeräuber Störtebeker sah wahrscheinlich anders aus, als es zahlreiche Überlieferungen nahe legen. Deutsche und französische Wissenschaftler haben im Auftrag von „Spiegel TV“ das Gesicht des Piraten rekonstruiert und kommen laut „Bild“-Zeitung zu einem überraschenden Ergebnis: „Keine der bislang bekannten Zeichnungen ähnelt dem jetzt ermittelten Aussehen“, bestätigte Bettina Beermann vom Museum für Hamburgische Geschichte der dpa.

dpa HAMBURG. Der legendäre Seeräuber Störtebeker sah wahrscheinlich anders aus, als es zahlreiche Überlieferungen nahe legen. Deutsche und französische Wissenschaftler haben im Auftrag von „Spiegel TV“ das Gesicht des Piraten rekonstruiert und kommen laut „Bild“-Zeitung zu einem überraschenden Ergebnis: „Keine der bislang bekannten Zeichnungen ähnelt dem jetzt ermittelten Aussehen“, bestätigte Bettina Beermann vom Museum für Hamburgische Geschichte der dpa.

Offiziell soll der rekonstruierte Schädel erst am 24. November der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Danach soll er als Dauerleihgabe in das Museum für Hamburgische Geschichte kommen. „Noch ist das Aussehen des Schädels ein großes Geheimnis. Selbst wir wissen nicht, wo er zur Zeit ist“, sagte Beermann. „Spiegel TV“ sendet die Störtebeker-Dokumentation am 28. November um 20.15 Uhr bei VOX.

Jahre lang haben Forscher und Mediziner an der Rekonstruktion des Schädels gearbeitet, obwohl nicht einmal ganz sicher ist, ob es sich wirklich um den Kopf des Seeräubers handelt: Zuerst wurde der „Störtebeker-Schädel“ per Computertomographie millimetergenau vermessen. Anhand dieser Daten schufen Wissenschaftler eine exakte Kopie des Schädels. Danach ermittelte der französische Gerichtsmediziner Jean-Noel Vignal, wie die Weichteile im Gesicht des Piraten ausgesehen haben, bevor die Künstlerin Elisabeth Daynes aus diesen Daten das Gesicht formte.

Der Seeräuber gehört zu den großen Legenden der norddeutschen Geschichte. Im Krieg zwischen Dänemark und Mecklenburg (1389 bis 1395) heuerte Störtebeker als Söldner an. Als Lohn durften die Söldner auf dem Meer tun und lassen, was sie wollten, verbreiteten überall Angst und Schrecken. Störtebeker lebt in der Erinnerung aber auch als mildtätiger Pirat weiter, da er seine Beute auch unter den Armen verteilte. 1401 besiegte eine Flotte aus Hamburg und Lübeck die Piraten, Störtebeker und 70 Gefährten wurden hingerichtet.

Der aufgespießte Schädel war 1878 auf dem Grasbrook - zur Hansezeit eine öde Elbinsel und heute ein Industrie- und Lagerhausgebiet mitten im Hamburger Hafen - gefunden worden. Von 1350 bis 1750 wurden dort zahlreiche Seeräuber und Schwerverbrecher geköpft. Um den ein- und ausfahrenden Handelsschiffen zu verdeutlichen, wie Piraten sicher man die Handelswege auf Elbe und Nordsee gemacht hatte, wurden die Seeräuberköpfe mit langen eisernen Nägeln auf einem weithin sichtbaren Holzgestell „gepfählt“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%