Oetker
Vorbildliche Restitution

Der Oetker-Konzern gibt zwei Kunstwerke zurück, bei denen nachgewiesen werden kann, dass sie NS-Raubkunst sind. Sie stammen aus der Sammlung von Rudolf-August Oetker.
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DüsseldorfRestitution aus Privatbesitz wegen NS-bedingtem Zwangsverkauf oder Enteignung ist selten. Die Washingtoner Prinzipien regeln die Rückgabe der Kunstwerke oder den finanziellen Ausgleich nur für öffentliche Einrichtungen. Dass der 2014 verstorbene Privatsammler Cornelius Gurlitt dazu bereit war, wurde als löbliche Ausnahme gewürdigt. Hier und da liest man aber doch auch von freiwilligen Rückgaben aus Privat- bzw. Firmenbesitz. Schon zum zweiten Mal in dem noch jungen Jahr meldet sich die Dr. August Oetker KG zu Wort.

Der u.a. in der Lebensmittel- und Schifffahrtsbranche tätige Konzern mit Sitz in Bielefeld gab diese Woche das „Portrait von Adriaen Moens“ des flämischen Barockmalers Antonis van Dyck an Marei von Saher zurück. Marei von Saher war die Schwiegertochter von Jacques Goudstikker und ist dessen Alleinerbin.

Klangvoller Händlername

Jacques Goudstikker war in den 1920er- und 1930er-Jahren einer der wichtigsten Altmeisterhändler in Kontinentaleuropa. Der jüdische Händler aus Amsterdam verkaufte nicht nur niederländische Malerschulen, sondern auch Skulpturen und italienische Goldgrundtafeln. Auf ungeklärte Weise starb Goudstikker 1940 auf der Flucht vor den Nazis, auf dem Weg von Amsterdam nach England. Seine große Sammlung, das Firmenlager mit 1113 inventarisierten Gemälden, blieb in Amsterdam zurück. Zu einem Spottpreis von zwei Millionen Gulden konnte Reichsmarschall Hermann Göring 700 dieser Gemälde übernehmen. 2006 restituierten die Niederlande 202 Werke an Marei von Saher. Christie’s versteigerte 2006 und 2007 daraus große Teile.

Das „Portrait von Adriaen Moens“ hatte Rudolf-August Oetker (1916-2007) , ein passionierter Liebhaber Alter Kunst, 1956 bei einem auf Alte Meister spezialisierten Händler „im guten Glauben“ erworben, teilte die Konzern-Pressestelle am Mittwoch mit. Das Kuratorium der Kunstsammlung Rudolf-August Oetker GmbH hatte 2015 eine namentlich nicht genannte Provenienzforscherin engagiert. Sie machte kürzlich vier Werke aus, deren Eigentümer vor dem Erwerb aus rassistischen, politischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen verfolgt wurden.

Bereits Anfang Januar 2017 wurde das 1954 auf einer Versteigerung erstandene doppelseitig bemalte Gemälde „Frühling im Gebirge/Kinderreigen“ von Hans Thoma (1839-1924) als NS-Raubkunst identifiziert. Es stammte aus der Sammlung von Albert und Hedwig Ullmann in Frankfurt. Die Nachfahren der Ullmanns wussten nichts über den Verbleib des Gemäldes, bis Oetker Kontakt mit ihnen aufnahm. Die Nachfahren der Ullmanns erhielten das Gemälde zurück. Ein vorbildlicher Akt, dem andere Privat- und Firmensammlungen folgen sollten.

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