Otto Piene
Comeback des Feuerkünstlers

Zero-Kunst hat Konjunktur. Otto Piene ist einer ihrer Begründer und ein Pionier multimedialen Kunstschaffens. In diesem Jahr feiert er seinen 85. Geburtstag. Das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie ehrt ihn mit einer Jubiläumsausstellung.
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KarlsruheEs bereitet dem alten Herrn mit dem Silberhaar und dem eisgrauen Bart sichtlich Vergnügen, das muntere Getümmel junger Leute in der Eingangshalle des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe zu beobachten. Diese unbekümmerte Neugierde auf Kunst, die sich auf die aktuellen technologischen Ausdrucksmittel stützt, das ist auch der Motor seines eigenen, gut 60 Jahre währenden künstlerischen Schaffens. Zu seinem 85. Geburtstag hat das ZKM Otto Piene nun eine konzentrierte Retrospektive ausgerichtet. „Sein Werk besitzt internationale Strahlkraft“, bestätigt auch jene Jury, die Piene den mit 50.000 Euro dotierten Max-Beckmann-Preis 2013 der Stadt Frankfurt zuerkannt hat.

Kunst mit Licht, Rauch und Feuer

Kunst in Verbindung mit Wissenschaft, Technologie und Sensibilität für die Natur neu zu denken und zu realisieren: Die Tour d’Horizon durch das Werk Otto Pienes im ZKM tritt den Beweis an, welche Energien durch Zero freigesetzt wurden. In den ausgehenden fünfziger Jahren wurde die gleichnamige Künstlergruppe von Otto Piene und Heinz Mack in Düsseldorf gegründet; etwas später stieß Günther Uecker dazu.

„Energiefelder“ hat Kurator Philipp Ziegler diese Ausstellung betitelt, die charakteristische Beispiele aus Pienes multimedialem Schaffen zusammenführt. Sie spannt den Bogen von den frühen Rasterbildern über Zeichnungen,  Rauch- und Feuerbilder, Lichtarbeiten und pneumatische Skulpturen bis hin zu den jüngsten Keramik-Bildern.

Malerei ohne Pinsel

Bereits die Malerei der 1950er- und 1960er-Jahre zeigt pulsierende Farben, ein optisches Flirren. Freilich, im strengen Sinn ist das gar keine Malerei mehr. Der Pinsel kommt kaum mehr zum Einsatz. Ein Beispiel liefert das Rasterbild ohne Titel aus den Jahren 1959/60. Auf dem monochrom leuchtenden Gelb des 80 x 100 Zentimeter großen Bildes hat Piene mittels einer Loch-Schablone Ölfarbe aufgebracht. So entstanden erhabene technoide Muster, ähnlich den Schaltsystemen von elektronischen Bauelementen.

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