Polit-Thriller
Giftiger Stachel

Es gibt für Autoren viele Motive, Bücher zu schreiben. Für Richard A. Clarke ist es - neben dem Wunsch, Geld zu verdienen - unverkennbar Hass. In seinem Buch "Against all enemies" hatte der amerikanische Sicherheitsexperte bereits die Antiterror-Strategie der Bush-Administration und den Irak-Krieg attackiert. In seinem neuen Werk "The Scorpion?s Gate" lebt der frühere Leiter des Krisenstabes im Weißen Haus seine abgrundtiefe Abneigung gegen die derzeitige US-Regierung nun in Form eines Polit-Thrillers aus.

HB BERLIN. Dabei nimmt sich Clarke gleich das große Gemälde vor: den Kampf um das ölreiche Islamijah, wie Saudi-Arabien in dem Buch nach dem Sturz der Königsfamilie und dem Abzug der Amerikaner heißt. Und um das Öl kämpfen nicht nur die USA, sondern auch Iran und China.

Im Grunde hat Clarke damit ein Szenario, vor dem sich ein spannender, mit Insiderwissen gespickter Politkrimi abspielen könnte. Allerdings zeigt sich rasch, dass politisch motiviertes Schreiben seine Tücken hat. Denn beim Versuch, mit dem Buch die falsche Strategie der Bush-Regierung im Mittleren Osten aufzuspießen, landet Clarke bei ebenjenem Schwarz-Weiß-Schema, das er beim politischen Gegner stets attackiert.

Jeweils in Anspielung auf reale Personen gibt es einen nur an Krieg denkenden bösen US-Verteidigungsminister, einen noch schlimmeren Vize-Verteidigungsminister und nur eine kleine Truppe aufrechter Warner in Washington. Die Iraner und Chinesen sind ohnehin düstere Gesellen, eine CNN-Korrespondentin dagegen eine Gute. Originell ist allein, dass Clarke bei den Islamisten in Riad einen wahren Helden ansiedelt, der gleich Tausende von US-Soldaten vor einem Anschlag bewahrt.

Doch nicht nur die offensichtliche politische Botschaft nervt, sondern auch Clarkes laxer Umgang mit der Wahrscheinlichkeit in seiner Geschichte. Zudem ist das unterschiedliche Tempo gewöhnungsbedürftig: Ein iranischer Großangriff - so viel sei verraten - wird auf zwei Seiten abgefertigt. Ein Abendessen der attraktiven CNN-Korrespondentin in einem Restaurant in Dubai erhält dagegen den doppelten Raum. So viel also zur Glaubwürdigkeit eines Autors, der im realen Leben stets geißelt, in Washington werde oft vergessen, dass in Kriegen wirklich Blut fließt.

Als schnelle Reiselektüre ist Clarkes "Skorpionen"-Buch, dem es an Spannung nicht mangelt, annehmbar. Am Ende aber weckt es nur die Lust, "The third world war" von Humphrey Hawksley noch mal zu lesen. Der britische Journalist zeigt, wie intelligent man ein weltweites Krisenszenario zu einer nicht nur spannenden, sondern auch lehrreichen Lektüre zusammenfügen kann.

RICHARD A. CLARKE The Scorpion?s Gate Hoffmann & Campe, Hamburg 2005, 352 Seiten, 19,95 Euro

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