Polnische Kunst
Auktionsmarkt mit eigenen Gesetzen

Polnische Kunstkäufer bieten am liebsten auf Werke der Vorkriegszeit. Figurative Malerei steht hoch im Kurs. Jüngste Kunst muss preiswert sein. Bedeutende Werke wechseln meist privat den Besitzer.
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WarschauKonrad Szukalski war noch ein Teenager, als in Polen Ende 1981 das Kriegsrecht verhängt wurde. Heute ist er Vize-Chef des renommierten Warschauer Versteigerers Agra Art, der sich auf polnische Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts spezialisiert hat. „Es ist nicht das größte Auktionshaus in Polen, aber das Unternehmen, das die meisten Top-Preise verbucht“, sagt der Auktionator stolz. Die führenden Rollen im polnischen Auktionsgeschäft spielen daneben das Auktionshaus Rempex, das 1990 mit britischem Kapital gegründet wurde (Christiane Fricke: Unkonventionelle Geschäftsmethoden, HB online 14.3.2012), und seit 1998 Desa Unicum, eine Fusion aus dem einst staatlichen Antiquitätenhandel Desa mit dem privaten Versteigerer Unicum.

Geschäft für die Masse

Die Entwicklung des polnischen Auktionsgeschäfts seit 1989 folgt eigenen Gesetzen. Anders als in den westlichen Ländern kam es ohne Flankierung durch die geschmacksbildende Arbeit von Galerien ins Laufen und wurde deshalb schnell zu einem Massengeschäft. „Das Fehlen eines stabilen Galerie-Marktes“ bezeichnet Szukalski denn auch als ein Hauptproblem des jungen polnischen Kunstmarkts. Die schätzungsweise 20 Galerien, die landesweit seit der Wende 1989 mit einem ehrgeizigen Programm moderner und zeitgenössischer Kunst angetreten sind, überleben dank staatlicher Subventionen. „Es klingt vielleicht unglaublich, ergänzt der Agra-Chef, „keine von ihnen ist selbst finanziert!“ Einige wenige wie die Galerie Fibak in Warschau würden auch durch reiche Sammler finanziert. Hinter ihr steht der ehemalige Tennisspieler Wojciech Fibak.

Begehrte Kunst vor 1945

Auf den Auktionen kaufen die Polen zu 80 Prozent die Kunst ihrer eigenen Landsleute, bevorzugt figurative Malerei, die vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Kurz nach der Jahrtausendwende gab es eine Hausse für die Kunst der Nachkriegszeit, unter der in Polen die Dekaden der Fünfziger, Sechziger und Siebziger gefasst werden. Agra Art veranstaltete einige Spezialauktionen, die nach Aussagen Szukalskis ökonomisch auch zufrieden stellend verliefen. Danach verschwanden die besten Werke erst einmal in einigen großen Sammlungen. „Und dort blieben sie bis heute“, erklärte der Warschauer Versteigerer dem Handelsblatt gegenüber.

Sammler kaufen von Sammlern

Polen hat nur eine kleine Anzahl Sammler, die anspruchsvolle Kunst suchen, sich jahrelang persönlich weiterbilden – mit wirklicher Leidenschaft. „Sie brauchen keine Auktionen für ihre Erwerbungen, weil sie wissen, wer von ihnen was hat“, erklärt Szukalski. Wer etwas zu kaufen habe, biete es gewöhnlich vorher anderen Sammlern an. Umgekehrt: Wer kaufen will, kontaktiert auch die Künstler, wenn sie noch leben, so wie Osman Djajadisastra.

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