Raubkunst
Kriminalistik am Museum

Über 2000 Papierarbeiten erwarb das Wallraf-Richartz-Museum während der Nazi-Zeit. Ein Blatt von Adolf Menzel muss restituiert werden. Eine vorbildliche Ausstellung macht die schwierigen Nachforschungen zur Herkunft der Blätter anschaulich.

KölnDie Identifikation von Raubkunst ist ein mühseliges Geschäft mit einer auf den ersten Blick erstaunlich geringen Aufklärungsquote. Zwar fördern die Nachforschungen mit ihren kriminalistischen Methoden spannende Geschichten zu den Bildern und Erkenntnisse über die sammelnde Institution ans Licht. Doch anschaulich waren diese Ergebnisse bislang schwer zu vermitteln. So ging es auch dem Wallraf-Richartz-Museum in Köln, das zwei Jahre nach Beginn seiner Untersuchungen am Zeichnungen- und Graphikbestand eine Zwischenbilanz gezogen hat.

Den Stand der Dinge illustriert eine kleine Kabinettausstellung, die es in sich hat. Denn erstens widerlegt sie eindrucksvoll, dass sich die notgedrungen textlastige Aufarbeitung der Vergangenheit schwer ausstellen lässt. Zweitens wird klar, dass die Recherche möglicher zweifelhafter Ankäufe in den meisten Fällen aufgrund fehlender Belege zu keinem klaren Ergebnis führt.

430 bedenkliche Fälle

2.063 zwischen 1933 und 1945 von über 100 verschiedenen Kunsthändlern, Behörden und Privatpersonen im In- und Ausland erworbene Papierarbeiten überwiegend deutscher Künstler wurden von der Kunsthistorikerin Jasmin Hartmann kritisch auf einen möglichen NS-verfolgungsbedingten Entzug geprüft; mit folgendem Ergebnis: 350 Fälle konnte Hartmann mit vollständiger Herkunftsgeschichte ermitteln und einen eindeutigen Fall von Raubkunst identifizieren, eine Zeichnung von Adolf Menzel, die jetzt zur Restitution ansteht.

Daneben diagnostizierte die Forscherin rund 430 bedenkliche Fälle, die noch weiterer Untersuchungen harren, darunter ein Konvolut französischer Druckgraphik vermutlich französischer Herkunft. In 780 Fällen fehlen jedwede Unterlagen, und etwas über 500 Blätter sind noch offen.

Ankäufe über Hildebrand Gurlitt

Das Menzel-Blatt „Blick über die Dächer von Schandau“ kam über den Kunsthändler Hildebrand Gurlitt in die Sammlung, ebenso die markante Zeichnung „Mitternachtssonne“ von Johan Christian Dahl. Mit dieser Entdeckung wollte das Wallraf verständlicherweise nicht bis zum offiziellen Abschluss des Forschungsprojekts warten und ging an die Öffentlichkeit.

Ampel im Forschungseinsatz

Anhand von nur 13 Werken führt das Wallraf beispielhaft vor Augen, was hinter der glanzvollen Fassade an Kärrnerarbeit geleistet wird und wie diese vonstatten geht. Jedes Blatt, das im Original an der Wand hängt, wird von einer kleinen, an der Wand befestigten Vitrine begleitet. Darin findet der Ausstellungsbesucher übersichtlich gegliedert die Herkunftsgeschichte des Blatts in Kurzform und die zentralen, im Text eigens markierten Beweisstücke.

Ein Ampelsystem, erfunden von Hartmann, verrät den Status des Werkes. Ein grüner Punkt (drei Fälle) steht für eine geklärte und unbedenkliche Herkunft, ein gelber Punkt (neun Fälle) signalisiert, dass die Nachforschungen zu keinem abschließendem Ergebnis geführt haben, orange signalisiert Zweifel und rot (Fall Menzel) die Erkenntnis, dass unrechtmäßig erworben wurde.

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Eine Spur auf der Datenbank Lostart

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