Kultur + Kunstmarkt
Requiem für Benno Ohnesorg

Uwe Timm hat in seinem letzten Buch "Am Beispiel meines Bruders" die Annäherung an eine Person betrieben, die ihm gleichzeitig nah und doch unendlich fremd war. Es ging um seinen Bruder, der als Mitglied der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg ums Leben kam.

HB DÜSSELDORF. Nach ähnlichem Muster verfährt Timm nun auch in seinem neuen Band. Wieder steht ein toter Wegbegleiter im Mittelpunkt. Wieder geht es um die Simultanität von Fremdheit und Vertrautheit. Und wieder fügt der Autor seiner Autobiografie ein weiteres Kapitel an.

Diesmal schreibt Uwe Timm über seinen Freund, den am 2. Juni 1967 in Berlin von einem Polizisten getöteten Studenten Benno Ohnesorg. Kennen gelernt hatte Uwe Timm den gelernten Dekorateur am Braunschweiger Kolleg, wo sie Anfang der 60er-Jahre gemeinsam das Abitur nachholten. Später trennten sich die Wege: Ohnesorg ging zum Studium nach Berlin, Uwe Timm zog es nach Paris.

Die beiden hätten sich wohl noch viel zu sagen gehabt. Und vielleicht - diese Vermutung zieht sich jedenfalls wie ein roter Faden durch dieses besinnliche Requiem - wäre Benno Ohnesorg ein mindestens ebenso bekannter Schriftsteller wie Uwe Timm geworden.

Uwe Timm: Der Freund und der Fremde. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2005, 176 Seiten, 16,90 Euro

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