Russische Kunst
Der Hang zum Schwulst

In New York interessieren sich immer mehr asiatische und US-Bieter für russische Malerei und Kunstgewerbe. Erfolgreich sind vor allem Werke, die auch die Zaren schön fanden.
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New York Russische Gemälde und Kunstgewerbe spielten Sotheby’s am 12. April mit 16,1 Millionen Dollar das seit drei Jahren beste Ergebnis der Sparte ein. Es entspricht einer Steigerung von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch hier profitiert man von einer breiter werdenden Sammlerbasis, denn es beteiligen sich auch Bieter aus Nord- oder Südamerika und Asien. Allerdings belegt eine zu 36 Prozent ausgesonderte Offerte, dass vor allem Ungewöhnliches, Qualität und Provenienz akzeptiert werden.

Vor allem Verbindungen zur Herrscherfamilie lassen Taxen in die Höhe schnellen. So geschah es bei einem prächtigen Tisch (um 1830) mit Mikromosaikplatte, die eine Szene aus dem russisch-türkischen Krieg zeigt. Nach eingehender Recherche spricht einiges dafür, dass er als Geschenk an Zar Nikolaus I. in Auftrag gegeben wurde. Ein Telefonbieter zahlte statt erwarteter 400.000 bis 600.000 Dollar 1,99 Millionen Dollar.

Düsseldorfer Sammler mit Liebe zu St. Petersburg

Auch der Katalogtext zu Henryk Siemiradzkis schwülstigem Gemälde „Schwertertanz“ (1887) strich heraus, dass Kaiserin Alexandra Fjodorowna den seinerzeit prominenten polnischen Maler sammelte. Das Bild aus dem Nachlass des polnischstämmigen Chicagoer Sammlers Eugene Slotkowski war von Sotheby’s bereits im Oktober 2009 ohne Erfolg mit europäischer Kunst des 19. Jahrhunderts angeboten worden. Nun, neu in russisches Umfeld verpackt, hob das Bild den Künstlerrekord auf 2,1 Millionen Dollar (Taxe 600.000 bis 800.000).

Auch Petr Petrovich Vereshchagins schöne „Ansicht von St. Petersburg“ erregte Aufsehen durch seine Provenienz. Eingeliefert hatte der Ballett-Tänzer Mikhail Baryshnikov. Da musste der Düsseldorfer Sammler Boris Fuchsmann mit 746.500 Dollar schon die doppelte Taxe berappen. Baryshnikov will mit dem Erlös sein 2005 gegründetes New Yorker Tanzzentrum unterstützen.

Ausfuhrprobleme eines Raumschiffs

Christie’s nahm am folgenden Tag mit einer weniger gehaltvollen Offerte erwartete 5,2 Millionen Dollar ein. Hier führte der konstant hoch gehandelte Boris Grigoriev zu 1,3 Millionen Dollar mit „Les Enfants“ (um 1922). Das Gemälde zeigt die jungen Zwillingstöchter des amerikanischen Dichters und Anwaltes Melville Cane und befand sich stets in der Familie. Geschätzt war es auf 600 000 bis 800 000 Dollar.

Für das von Sotheby’s ebenfalls am 12. April zum 50. Jahrestag des ersten bemannten Weltraumfluges versteigerte einsitzige russische Raumschiff Wostok 3KA-2 wird es zunächst kein Happy End geben. Der Käufer Yevgeny Yurchenko, Vorsitzender des Investmentfonds AS Popov, steht nach dem Zuschlag von 2,9 Millionen Dollar vor einem unerwarteten Problem: Das U.S. Außenministerium klassifizierte das Objekt als Rakete und verlangt eine spezielle Ausfuhrlizenz.

www.sothebys.com

www.christies.com

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