Schröder oder Merkel? Verlage und Autoren haben rasch auf die vorgezogene Wahl reagiert
Schnelle Wahlhilfe

Politische Werke gehören zu den wichtigsten Umsatzträgern auf dem deutschen Sachbuchmarkt. Einordnung, Hilfe, Hintergrundinformation - all das liefern Bücher, die mit langer Vorlaufzeit konzipiert werden.

Genau das ist nun das Problem von Verlagen und Autoren. Die vorgezogene Bundestagswahl hat sämtliche Planungen über den Haufen geworfen. Bücher müssen recherchiert, geschrieben, lektoriert, gestaltet, gedruckt, vermarktet, geliefert und verkauft werden. Hinzu kommt, dass gerade Bücher zur Wahl nach dem Ereignis schnell an Aktualität verlieren. Wer also zu spät große Auflagen auf den Markt wirft, bleibt am Ende womöglich auf Bergen schöner, aber unverkäuflicher Restposten sitzen.

Trotzdem ist es den Verlagen gelungen, ein respektables Ad-hoc-Programm auf die Beine zu stellen. Gelegentlich handelt es sich dabei um tiefgründige Arbeiten, die ganz offensichtlich schon lange vorbereitet wurden und nun unverhofft Aktualität erlangen. Häufig sind es aber nur kleine Nachschlagewerke, pfiffig gemacht, aber ohne Tiefgang.

Manfred Bissinger und Hugo-Müller Vogg etwa bezeichnen ihr Buch "Schröder oder Merkel" gleich selbst als "schnelle Wahlhilfe". Zu mehr als hundert Stichworten findet der Leser knackige Kurzkommentare jeweils aus der Pro-Schröder- (Bissinger) und Pro-Merkel-Perspektive (Müller-Vogg); dazu etliche Kurzporträts von Politpromis. Das Hauser-Kienzle-Remake in Printform ist bestes Politainment, aber eine Entscheidungshilfe wohl nur für jene Wähler, die es so genau nun auch wieder nicht wissen wollen. Rund dreißig Zeilen pro Thema reichen eben allenfalls für Stichworte und einige kritische Anmerkungen.

Die populäre Zuspitzung der Wahlentscheidung auf Schröder oder Merkel hat außerdem ihre Tücken: Zum einen wählen die Deutschen immer noch in erster Linie Parteien, was ein Trost für Grüne, FDP und "Linkspartei. PDS" ist, deren Positionen in dem Wahlbüchlein fast durchweg unter den Tisch fallen. Zum anderen weiß jeder halbwegs mit den Wahlumfragen Vertraute, dass Gerhard Schröder im Falle eines Wahlsieges von Schwarz-Gelb oder einer großen Koalition seine Kanzlerkarriere hinter sich hat, es sei denn, es geschähe noch ein Wahlwunder.

Auch das Buch "Entscheidung 2005 - Handbuch zur Bundestagswahl von A bis ZDF" will ein Crashkurs sein. In kleinen Häppchen klären Herausgeber Eckart Gaddum, Redaktionsleiter des ZDF-Morgenmagazins, und seine Autoren über politische Grundbegriffe auf. Auch die Arbeitsweise des Zweiten Deutschen Fernsehens in Wahlkampfzeiten wird erläutert. Aber nur böse Zungen könnten behaupten, dass zwischen "Überhangmandat" und "Heuschrecken-Diskussion" unauffällig Schleichwerbung platziert worden wäre.

Tatsächlich ist das schmale Büchlein eine Werbebroschüre im Mäntelchen politischer Aufklärung. Wer das Ganze ohne ZDF-Werbung lesen möchte, wende sich gleich an die Bundeszentrale für politische Bildung. Da lässt sich Ähnliches günstiger beziehen.

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