Schwerpunkt Videokunst
"Es muss nicht alles überleben"

Ivo Wessel ist von Beruf Software-Entwickler. Davon profitiert auch die Videokunst, die er sammelt. Die Vergänglichkeit des Mediums sieht er gelassen und pragmatisch.
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BerlinHandelsblatt: Es ist für manche Menschen offenbar schwer vorstellbar, Videokunst zu sammeln. Das könne man ja kopieren, man hätte nur eine DVD in der Hand, argumentieren sie.

Ivo Wessel: Aber das stimmt ja nicht. Wie viele andere Werke auch, die in einer Auflage auf den Markt gebracht werden, gibt es ein Zertifikat und eine Nummerierung. Damit käme der Sammler auch in den Genuss, zu wissen, früh gekauft zu haben – ähnlich wie bei der Fotokunst. Auf einen Image-Effekt müssen Sammler jedoch verzichten: Sie haben nicht das „Masterpiece“ über dem Sofa hängen, wenn sie nach Hause kommen. Diese Haltung habe ich im Übrigen eigentlich immer gehasst. Mir ist eher der Archiv-Gedanke wichtig.

Sie haben 2004 den Flatscreen für die private Wohnzimmerwand entwickelt und dafür eine spezielle Abspielsoftware namens VideoArtBar entwickelt.

Das war die Zeit vor dem Tablet. Heute würde ich so etwas für das iPad entwickeln. Aber ich habe die VideoArtBar tatsächlich noch zuhause in Betrieb. Vom Prinzip her ist das ein alter Touch-PC. Darauf habe ich meine Videoarbeiten gespeichert. Die kann ich dem angeschlossenen Projektor sehr schnell zuspielen.

Sehen Sie sich Ihre Videos denn wirklich an, wenn Sie nach Hause kommen?

Es gibt ein paar Videoarbeiten, die ich anstelle, wenn ich nach Hause komme; zum Beispiel von Bjørn Melhus „Fight the Forces of Evil“ und „America sells“. Aber dann höre ich eher den Sound im Hintergrund. Die Werke sind ja in meinem Kopf. Das ist wie bei Büchern.

Wie gehen Sie angesichts einer extrem vergänglichen Technik mit dem Problem der Konservierung um?

Ich habe nicht unbedingt den Anspruch, dass das alles überleben muss. Ich kann mir notfalls eine Arbeit, die für einen Röhrenmonitor gemacht wurde, in 20 Jahren auch durchaus auf einem Flachbildschirm vorstellen. Für mich zählt die Idee. Es gibt natürlich immer Grenzfälle. Zum Beispiel bei skulpturalen Arbeiten wie sie Nam June Paik geschaffen hat. Für ihr ästhetisches Erscheinungsbild ist die Optik der ursprünglich verwendeten Hardware mitentscheidend. Wichtig ist mir, dass ich weiß, wie das Werk im Originalzustand ausgesehen hat.

Aufgrund der permanenten Weiterentwicklung der technischen Komponenten ist die Versuchung – auch für den Künstler – groß, das Werk zu optimieren oder nachzubessern.

Das ist immer die Frage: Darf er das? In der Regel ist dies vertraglich fixiert. Im Zertifikat, das man mit der Videoarbeit erhält, verpflichtet sich der Künstler, das Werk nicht mehr zu verändern. Und natürlich darf er zum Beispiel über die Auflage hinaus keine weiteren Exemplare verkaufen.

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