So mancher Teilnehmer wirkt ungelenk
Nia: Tanz in der Turnhalle

Kampfsport, Tanz und Yoga: Die Fitness-Übung Nia (Neuromuskulare integrative Aktion) kombiniert mentale Stärke mit körperlicher Kraft.

George Gershwins "Summertime" säuselt durch den verspiegelten Raum, Südstaaten-Jazz zur süßlichen Stimme von Billie Holiday. Etwa zehn Erwachsene ziehen Schuhe und Socken aus, beginnen zu tänzeln. Sie schwingen von einem Bein auf das andere, kreisen mit den Armen. In der Disco würden die meisten von ihnen das wohl peinlich finden. Aber hier tragen sie ein seliges Lächeln im Gesicht. "Stellt euch vor, ihr lauft über eine Sommerwiese", sagt Kathrin Grass. Der nächste Song wird schneller, rhythmischer. "Stellt euch vor, eure Handkante ist scharf wie ein Messer und ihr möchtet damit die Luft wie mit einem Schwert durchschneiden." Hände sausen durch die Luft, Beine fliegen in die Höhe. Jede Übung verbindet Vorturnerin Grass mit einem Bild, das die Phantasie der Schüler anregen soll.

Was bei der Trainerin so leicht und locker erscheint, wirkt bei manchen Teilnehmern ein wenig ungelenk. Doch das interessiert hier niemanden. Schließlich handelt es sich bei diesem Kurs nicht um Aerobic, sondern um einen angesagten Fitness-Tanz namens Nia. Nia steht für "Neuromuskulare integrative Aktion", für die Einheit von Muskeln und Nerven. Das klingt medizinisch verbrämt und anstrengend. Doch es geht nicht um Leistung und Drill, gar Gleichschritt wie beim Aerobic mit seinen militärischen Vorfahren, sondern um die schiere Freude an der Bewegung.

Nicht Perfektion ist das Ziel, Spaß zu haben ist oberstes Gebot. Ein wichtiger Spaßfaktor ist die Musik: Abwechslungsreich soll sie sein und alles bieten von Pop bis Reggae, von afrikanischem Getrommel und Jazz bis zu meditativer Entspannungsmusik. Manch einer scheitert gelegentlich an seinen Hemmungen. "Bei dir sieht es immer so toll aus - das sagten die Leute am Anfang", erzählt Trainerin Grass. "Ich sag dann immer: Findet eure eigenen Bewegungen, das sieht dann auch toll aus." Anders als bei Aerobic sollen die Teilnehmer nicht sklavisch die Bewegungen der Trainerin imitieren.

Kathrin Grass gibt lediglich einzelne Schrittfolgen vor. Wie die Teilnehmer diese choreografischen Elemente miteinander verbinden, ob sie die Beine genauso hoch werfen können und die Arme ordentlich nach oben gestreckt sind, ist völlig wurscht.

Nicht Klotzen bis zum Umfallen ist das Motto, sondern die Kommunikation zwischen Körper und Musik: Ganzheitlichkeit eben. Je nach Musikrichtung wechseln leichte, tänzelnde Passagen mit anstrengenden, kraftvolleren ab. Spätestens dann fließt der Schweiß. Seit sieben Wochen tanzt Gerd Heidmann in der Berliner Nia-Klasse. "Früher habe ich Judo und Karate gemacht", sagt der 38-jährige Manager eines Berliner Versicherungskonzerns. Jetzt ist er auf Nia umgestiegen und erklärt auch gleich warum: "Leistungsdruck brauche ich nicht, den habe ich im Beruf und im Alltag genug."

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