Sotheby's
Triumph eines Spätromantikers

Mehr als die Hälfte der Einnahmen bei Sotheby's erzielten fünf Bilder Vilhelm Hammershøis.
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LondonKunst des 19. Jahrhunderts bleibt sogar bei der strengen Vorselektion der Londoner Topauktionen ein Vabanquespiel - das zeigen die Rückgangsraten von 48 beziehungsweise 52 Prozent der Lose bei Christie's und Sotheby's. Dennoch war wenigstens die Sotheby's-Auktion ein Triumph dank einer Gruppe von fünf Werken des dänischen Spätromantikers Vilhelm Hammershøi, für dessen meditative Interieurs es einen Preissprung wie seit Jahrzehnten nicht gab.

Das Titellos der Auktion, "Ida, einen Brief lesend" (1899), verdreifachte die Schätzung. Mit 1,72 Millionen Pfund (2,13 Millionen Euro) ist es nun das mit Abstand teuerste Bild Hammershøis und überhaupt ein Rekordpreis für dänische Kunst.

Drei der fünf Hammershøis gingen an den als "internationalen Privatsammler" bezeichneten Käufer des Toploses. Er zahlte 1,1 Millionen Pfund für das Nachtbild "Interieur mit zwei Kerzen" (Taxe 400 000 bis 600 000 Pfund) und sicherte sich für die dreifache Schätzung von 361 259 Pfund eine Straßenansicht der Strandgade, in der das Haus stand, in dem Hammershøi und seine Frau Ida von 1898 bis 1909 lebten: Er malte, sie stand Modell, das Haus wurde die Bühne für seine penibel konstruierte Utopie häuslicher Innerlichkeit.

Die fünf Hammershøis brachten mit 4,3 Millionen Pfund mehr als die Hälfte der Gesamteinnahme von 8,1 Millionen Pfund für 70 verkaufte Bilder. Das 19. Jahrhundert bleibt ein wählerischer Markt, in dem nur wenige Maler und Motive herausgepickt werden und als Altmeisterersatz hohe Preise erzielen. Nur in Ausnahmefällen wurden die Schätzungen übertroffen. Zu den Erfolgen gehörte eine romantische Waldszene, "Wald mit kleinem Weiher", von Karl Blechen, die mit 109 250 Pfund einen Künstlerrekord brachte (Taxe 20 000 bis 30 000 Pfund). Dagegen scheiterten zwei Schinken von Arnold Böcklin, darunter das auf 800 000 bis 1,2 Millionen Pfund höchsttaxierte Los der Auktion, das 150 Zentimeter breite "Odysseus und Polyphem".

Auch bei Christie's blieb das Spitzenlos ohne Erfolg, die mit 700 000 bis eine Million Pfund angesetzte Strandszene "A la Orilla del Mar" von Joaqín Sorolloa y Bastidas, eigentlich mit seiner Mischung aus Naturalismus und impressionistischem Duktus einer der verlässlichsten Erfolgsmaler des 19. Jahrhunderts. Zwei andere seiner Werke wurden dann auch problemlos verkauft: "Pescadores" übertraf mit 937 250 Pfund als Spitzenlos sogar die Schätzung. Christie's verkaufte 51 von 98 Losen für insgesamt 5,1 Millionen Pfund.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

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