„Stern“-Interview
Ex-Frau von Ulrich Mühe sieht sich als Stasi-Opfer

Als der Schauspieler Ulrich Mühe seine Stasi-Akte las, verschlug es ihm die Sprache: Seine Frau Jenny Gröllmann, mit der er zu DDR-Zeiten verheiratet war, war als IM „Jeanne“ aufgeführt. Eine Verpflichtungserklärung fand sich allerdings nicht, weswegen Mühe verboten wurde, Gröllmann als IM zu bezeichnen. Nun geht sie zum Gegenangriff über.

HB BERLIN. Die 59 Jahre alte Gröllmann, die ebenfalls Schauspielerin ist, sagte dem Magazin „Stern“: „Ich muss mich nicht rechtfertigen, weil ich weiß, dass das, was da ist, nicht die Wahrheit ist - mein Name ist missbraucht worden, das ist alles“. Das gerichtlich erwirkte Verbot gegen Mühe sei für sie „ein erster Schritt zu meiner Rehabilitierung“. Das Berliner Landgericht hatte in seinem Urteil Anfang Juli argumentiert, es gebe starke Indizien für eine IM-Tätigkeit Gröllmanns. Mühe habe aber nicht ausreichend glaubhaft machen können, dass seine Behauptungen stimmten.

Gröllmann sagte, bei den Recherchen in den ohne ihr Wissen angelegten Stasi-Akten habe sie bei einem Abgleich der angeblichen Stasi-Treffen mit ihren Theaterauftritten herausgefunden, dass fünf dieser Treffs nachweislich nicht stattgefunden haben könnten, sagte Gröllmann. Mühe hatte sich auch darüber beklagt, dass seine damalige Frau nie mit ihm über ihre angebliche Stasi-Tätigkeit gesprochen habe. „Es war einfach nicht möglich, miteinander zu sprechen, obwohl es mein Wunsch gewesen wäre“, meinte die schwer krebskranke Schauspielerin jetzt.

Mühe spielte die Hauptrolle im Film „Das Leben der Anderen“ von Florian Henckell von Donnersmarck, der im Mai den mit 500 000 Euro dotierten Deutschen Filmpreis gewann. Mühe wurde für seine Darstellung eines Stasis-Hauptmanns als bester Schauspieler ausgezeichnet. In dem Film bekommt Mühe zunehmend Zweifel an dem Sinn seiner Spitzeltätigkeit.

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