Studie
NS-Pädagogen als Namenspatrone deutscher Schulen

Viele Schulen in Deutschland tragen den Namen von vier bekannten Erziehungswissenschaftlern: Peter Petersen, Eduard Spranger, Herman Nohl und einige auch von Erich Weniger. Die Verstrickung dieser „Gründungsväter der deutschsprachigen Erziehungswissenschaften“ in das NS-Regime hat der Frankfurter Galinski-Preisträger, Wissenschaftler, Autor und Lehrer Benjamin Ortmeyer in einer 640 Seiten umfassenden Studie, seiner Habilitationsschrift, untersucht.

HB FRANKFURT/MAIN. Das teilten die Goethe-Universität, das Fritz-Bauer-Institut und der Beltz-Verlag in Frankfurt mit, wo das Buch mit dem Titel „Mythos und Pathos statt Logos und Ethos“ am Montag vorgestellt wurde.

„Alle vier entwarfen während der Weimarer Republik ihre Grundlagen, begrüßten dann begeistert das NS-Regime - ohne Mitglieder der NSDAP zu sein - und stellten ihre Konzeptionen in seinen Dienst“, heißt es in einer Mitteilung des Verlags. Nach der Befreiung Deutschlands von der NS-Diktatur hätten Spranger, Nohl, Weniger und Petersen das Regime verharmlost, was bis heute nachwirke. Einige Schulen, die nach den Erziehungswissenschaftlern benannt seien, dächten bereits über einen neuen Namen nach, sagte Ortmeyer.

Der 1952 in Kiel geborene Ortmeyer arbeitete von 1975 bis 2003 als Lehrer für Mathe, Sozialkunde und Musik in Frankfurt. Er ist Autor mehrerer Bücher. 1988 promovierte er in Heidelberg mit einer Arbeit über die Schicksale jüdischer Schüler in der NS-Zeit. 1995 erhielt er den Heinz-Galinski-Preis der Jüdischen Gemeinde in Berlin. Er habe durch die Unterstützung von Schüleraktionen auf die Gefahren des Neonazismus hingewiesen und sei gegen das Vergessen eingetreten, lautete die Begründung. Dabei war Ortmeyer auch auf Widerstände gestoßen. Seit 2003 ist er pädagogischer Mitarbeiter an der Goethe- Universität im Fachbereich Erziehungswissenschaften, an dem er sich 2008 habilitierte.

Benjamin Ortmeyer: „Mythos und Pathos statt Logos und Ethos. Zu den Publikationen führender Erziehungswissenschaftler in der NS-Zeit: Eduard Spranger, Herman Nohl, Erich Weniger und Peter Petersen“, Beltz Verlag Weinheim/Basel 2009. ISBN 978-3-407-85798-9, 68,00 Euro.

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