Supersommer kostet zwölf Millionen
Römischer Sommer sprengt alle Erwartungen

Schon seit langem ist Rom bekannt für sein Night-Life. Doch der diesjährige Sommer sprengt alle Erwartungen: Zahlreiche internationale Superstars - so viele wie in noch keiner anderen europäischen Metropole - werden Einwohnern und Touristen die fast unerträglich heißen Nächte verschönern. Bürgermeister Walter Veltroni hat keine Kosten gescheut, um dieses Programm sogar gratis anzubieten.

HB ROM. Wenn Hitze und Schwüle das Schlafen unmöglich machen, halten es Roms Einwohner nur selten in den eigenen vier Wänden aus. Schon lange spielt sich das Leben auf den Straßen ab. Doch was erst nur eine Notlösung war, ist beinahe zu einer Attraktion Roms geworden. So versuchen auch Kommunalpolitiker schon seit Jahrzehnten, die schwitzenden Menschen mit einem bunten Mix aus Festivals, Musik- und Kulturveranstaltungen bei Laune zu halten. Doch was Bürgermeister Walter Veltroni zusammen mit Kulturdezernent Gianni Borgna in diesem Sommer auf die Beine gestellt hat, sucht wohl auch in anderen europäischen Metropolen nach seinesgleichen. Ein derartiges Aufgebot an internationalen Superstars hatte es zuvor im ansonsten eher verschlafenen Rom noch nie gegeben - und das alles zum Nulltarif.

Noch immer schweben dichte Staubwolken über der Piazza di Siena im Park der Villa Borghese, wo soeben 300 000 Menschen eine brasilianische Nacht durchtanzt haben. Auf der Bühne standen keine Geringeren als der brasilianische Kulturminister und Tropicália-Begründer Gilberto Gil, Samba-Star Toquinho, Gal Costa und Jorge Ben - die Crème de la Crème brasilianischer Musik. Als kleines Schmankerl brachte Veltroni überraschend Harry Belafonte auf die Bühne, der den Besuchern persönlich einen netten Abend wünschte. „Das gab's noch nie. Dieser Bürgermeister ist einfach fantastisch!“, schwärmt ein römischer PR-Berater.

Bereits im Sommer 2003 hatte er es geschafft, dank finanzkräftiger Sponsoren Ex-Beatle Paul McCartney für ein Gratis-Konzert vor dem Kolosseum zu gewinnen. In diesem Sommer begeisterten schon Quincy Jones mit seinem gigantischen „We are the future“-Benefizkonzert sowie Police-Altmeister Sting Hunderttausende Fans auf dem imposanten Rasen-Areal des Zirkus Maximus. Jones wartete unter anderem mit Musikern der Extraklasse wie Alicia Keys, Carlos Santana, Herbie Hancock und Andrea Bocelli auf.

Auf der Piazza del Popolo im historischen Zentrum wurde Ende Juni Mozarts „Zauberflöte“ aufgeführt, während jetzt ganz Rom mit Spannung auf den 31. Juli blickt: Dann wollen Simon & Garfunkel vor dem Kolosseum ein Mega-Konzert geben, das bereits im Vorfeld als Neuauflage des legendären Duetts im Central Park von 1982 gehandelt wird. Die Folk-Stars aus Amerika haben einem Bericht der Zeitschrift „Panorama“ zufolge eine Million Euro Gage für den Gig gefordert. Bezahlt wird der Event von der Telecom, die schon Paul McCartneys Auftritt gesponsert hatte.

Insgesamt zwölf Millionen Euro wurden in diesem Jahr in die traditionelle „Estate Romana“ (römischer Sommer) investiert, drei Millionen Euro steuerte die Kommunalkasse bei. Der frühere Bürgermeister Renato Nicolini hatte den von Juni bis September dauernden Veranstaltungsmarathon in den 70er Jahren ins Leben gerufen, um den Bürgern die heißen Nächte erträglicher zu gestalten. In den Folgejahren fanden die Festivals und Events immer mehr Anhänger: Kamen 1994 rund eine Million Römer zur „Estate Romana“, zählten die Aktivitäten im vergangenen Jahr bereits rund zehn Millionen Besucher. Und der Sommer 2004 wird dieses Ergebnis noch toppen. „Was wir hier geschafft haben, ist das Resultat von jeder Menge Fantasie“, brachte es Veltroni zuletzt auf den Punkt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%