Terminkollision ärgert die Verlage
Köln greift Leipzig mit neuer Hörbuchmesse an

Eigentlich geht es in der Buchbranche eher friedlich zu. Man streitet sich nicht öffentlich und versucht, die Dinge so diskret wie möglich zu regeln. Kurz vor Beginn der Leipziger Buchmesse 2005 aber ist die Branche in Aufruhr. Der Grund ist die Terminkollision zwischen der Bücherschau in Leipzig und dem Kölner Lesefestival „Lit.Cologne“.

HB KÖLN/LEIPZIG. Beide Veranstaltungen werden an diesem Mittwoch eröffnet und laufen parallel bis zum kommenden Sonntag. „Ein völlig unnötiges West-Ost-Kräftemessen“, schimpft der Berliner Verleger Christoph Links. „Ein Unding“, nennt es Matthias Bischoff, Programmleiter beim Frankfurter Eichborn-Verlag. „Wir hoffen sehr, dass die Verantwortlichen in Köln und Leipzig in den kommenden Jahren sensibler und vorausschauender planen.“ Und auch Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, findet die Terminkollision „nicht schön und nicht gut“.

Die Leipziger Buchmesse ist die zweitgrößte ihrer Art in Deutschland. 2  100 Aussteller werden ihre Neuerscheinungen präsentieren, mehr als 100  000 Besucher werden erwartet. Weltweiter Marktführer ist die Messe in Frankfurt, die traditionell im Herbst stattfindet und zuletzt 6  700 Aussteller registrierte. Anders aber als am Main, wo in großem Stile Buchlizenzen und Rechte gehandelt werden, ist Leipzig vor allem aus literarischer Sicht herausragend. Parallel zur Buchmesse findet dort mit „Leipzig liest“ das größte Literaturfest Europas statt - ein Lesespektakel mit mehr als 1  000 Mitwirkenden, darunter die Autoren Walter Kempowski, Amos Oz, Christoph Hein, Joachim Fest, Adolf Muschg und Jorge Semprun.

Das Kölner Konkurrenzfestival „Lit.Cologne“ erwartet bei 90 Veranstaltungen immerhin 50  000 Besucher. Was den Wettstreit zwischen den beiden Städten aber zusätzlich anheizt, ist der neue Kampf um den attraktiven Hörbuchmarkt. Die Leipziger Buchmesse räumt dem Hörbuch seit Jahren großen Raum ein. Sie gilt mit 120 Ausstellern als wichtigster Branchentreffpunkt in Deutschland.

Mit dem „Hörbuchkonvent Audio Books Cologne“ will die Kölner Messe nun dagegenhalten. 60 Aussteller sind zum Auftakt dabei, darunter führende Unternehmen wie Random House Audio, Deutsche Grammophon, der Münchener Hörverlag, Lübbe Audio und der Audio Verlag. Die Veranstalter rechnen mit 6  000 Besuchern. Für das nächste Jahr denkt Kölns Messechef Oliver Kuhrt bereits über eine Erweiterung nach.

All dies sorgt bei den Verantwortlichen der Leipziger Buchmesse für Unbehagen. Ärgerlich sei die Terminkollision mit der „Lit.Cologne“, der Kölner Hörbuchkonvent „kein freudiges Ereignis“, sagt Leipzigs Messedirektor Oliver Zille. Bei der Ursachenforschung schieben sich die Verantwortlichen den Schwarzen Peter hin und her. „Lit.Cologne“-Geschäftsführer Rainer Osnowski sagt, er habe sich 2001 gemeinsam mit seinem Kölner Kollegen Werner Köhler mit Zille getroffen. „Dort wurden die Termine der kommenden Jahre einvernehmlich miteinander abgestimmt.“ Leipzig habe die Veranstaltung dann ohne Rücksprache verschoben. „Unsere Termine sind drei Jahre im Voraus bekannt“, entgegnet Zille. „Es ist nicht an uns, irgendwelche Absprachen zu treffen.“

Für das kommende Jahr haben die Kölner Organisatoren bereits reagiert und das Festival auf neun Tage verlängert. Die „Lit.Cologne“ findet dann vom 10. bis 18. März statt, die Leipziger Buchmesse vom 16. bis 19. März.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent
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