Tobias Natter
Viel Aufregung, noch mehr Kränkung

Tobias Natter, seit 2011 museologischer Direktor des Leopold-Museums, quittierte seinen Dienst. Anlass sind Vorkommnisse rund um die Gründung einer Privatstiftung, in dem der kaufmännische Leiter des Hauses Vorsitzender ist.
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WienSeit 2002 verleiht das Wiener Landesgremium des Kunsthandels den „OscArt“, einen Ehrenpreis für besondere Verdienste um die Kunst, ihre Vermittlung und Vermarktung. Bislang war dem jährlichen Würdigungszeremoniell weder medial noch seitens der breiten Öffentlichkeit rasende Aufmerksamkeit zuteil geworden. Der 28. Oktober 2013 brachte insofern eine „dramatische“ Wende.

Kaum war Tobias Natter die Auszeichnung überreicht worden, gab der seit 2011 amtierende museologische Direktor des Leopold Museums vor laufenden Kameras den Rücktritt von dieser Funktion bekannt und erläuterte seine Beweggründe. Zusammengefasst geht es dabei um Vorkommnisse um die Gründung der Klimt-Ucicky-Foundation.

Kunst für rund 200 Millionen

Wie im Handelsblatt vom 27. September („Wertvolle Wasserschlangen“) berichtet, war Anfang September von Ursula Ucicky, der 91-jährigen Witwe des NS-Propagandafilmregisseurs, eine Stiftung gegründet worden, in die sie 14 Kunstwerke im Wert von rund 200 Millionen Euro, jedoch mit teils problematischer Provenienz einbrachte. Als Vorstandsvorsitzender auf Lebenszeit wurde Peter Weinhäupl, kaufmännischer Direktor des Leopold Museums, ernannt. Tobias Natter und Familie Leopold hatten davon erst aus den Medien erfahren.

Personelle Verflechtungen

Nicht nur Natter, sondern zwischenzeitlich auch andere namhafte Protagonisten der österreichischen Kunst- und Kulturlandschaft orteten einen Interessenkonflikt. Einen solchen sah und sieht Weinhäupl nicht und bekam dabei auch Schützenhilfe: „Keine Unvereinbarkeit“, verlautbarte Helmut Moser, vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) entsandter Vorstandsvorsitzen der Leopold Museums-Privatstiftung. Er übe diese Tätigkeit „angeblich ehrenamtlich aus“, begründet auch Elisabeth Leopold in einem ORF-Interview („Kulturmontag“, 4. 11) die Kompatibilität. Den entsprechenden Paragraphen (§7) in der Stiftungsurkunde, wonach „Mitglieder der Stiftungsorgane“ Anspruch auf eine angemessene Entlohnung haben, erklärt Weinhäupl (Telefonat, 31.10.) mit Hinblick auf eine eventuelle spätere hauptberufliche Tätigkeit.

Eine Trennung zwischen dem Leopold-Museum (LM) und der Klimt-Ucicky-Stiftung ist jedoch angesichts enger personeller Verflechtungen nach außen hin kaum möglich. Denn neben Weinhäupl besetzen weitere Personen aus dem Umfeld des Museums Schlüsselpositionen in dieser Foundation: Geschäftsführerin (auf Lebenszeit) Sandra Tretter, Lebensgefährtin Weinhäupls und bis Anfang August Kuratorin am Museum, außerdem Anwalt Andreas Nödl (Mitglied des Vorstandes der LM Privatstiftung) als Rechtsberater. Dazu hatte man noch die vom BMUKK an das Museum entsandte Provenienzforscherin mit Recherchen zur Causa Felsövanyi beauftragt.

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