Trinkschokolade stillt Sehnsüchte und weckt Lüste. Das schafft simples Kakaopulver nie
Heiße Verführung

Draußen kleben nasse Blätter auf den Straßen, und ein kühler Wind weht. Drinnen dampft heiße Milch im Topf. Eine Schokoladen-Kugel landet in einem Becher, Milch wird darüber gegossen, und die Schokolade beginnt zu schmelzen. Es duftet himmlisch - und erinnert daran, dass Kakao seinerzeit zum Trank der Götter erkoren worden ist.

Mit dem Herbst kommt sie wieder, die Lust auf Trinkschokolade. Den Bauch soll sie wärmen und das Herz. Um so verlockender, dass sie von Jahr zu Jahr in größerer Auswahl zu haben ist, und das sowohl im Ausschank als auch zum Selberrühren für zu Hause.

Wer zum Beispiel die Frankfurter Chocolaterie "Bitter & Zart" betritt, kommt aus dem Schnuppern nicht mehr heraus. Eine Tasse Trinkschokolade ist von einer Sekunde zur anderen ein Muss. Von morgens bis abends wird sie hier in einem Topf angerührt. "Am besten schmeckt sie ab Mittag, wenn sich ihr Aroma richtig entfaltet hat", sagt Sabine Seidel, die den Laden gemeinsam mit Gaby Fürstenberger führt.

Geschmack und Geruch der Trinkschokolade wechseln tagtäglich, je nachdem, welches Gewürz die beiden Frauen dem Kakaogebräu zufügen: Chili, Ingwer, im Mörser gestoßene Pfefferbeeren. "Es darf immer nur eine leichte Note sein", sagt Sabine Seidel. "Einmal ist uns die Schokolade zu scharf geraten, da haben wir sie weggießen müssen."

Mit einer Prise Pfeffer im samtigen Heißgetränk verführte schon Juliette Binoche: In dem Film "Chocolat" erlagen Johnny Depp und mit ihm so mancher Kinobesucher der dunkel gelockten Chocolaterie-Besitzerin und ihrem Zaubertrank.

"Gewürze holen Schokolade aus der Kinderecke raus und machen sie auch für Männer spannend", sagt Martin van Almsick, Marketing-Schokologe im Kölner Schokoladenmuseum. "Männer sind ja sonst eher protestantisch geprägt und bevorzugen schwarzen Kaffee."

Der Appetit aufs Süße kommt im Museum auch über die Liebe zur Technik: Besucher verfolgen, wie aus einer Kakaobohne Schokolade wird. Hinter Glas rühren Maschinen üppige Schokoladencrème. Glänzend und geschmeidig sieht sie aus, und der Besucher muss schlucken ob solcher Herrlichkeit. Eine Waffel mit flüssiger Schokolade wird gratis gereicht, vom größeren Appetit profitiert der Museumsshop. "Instant war früher, heute gucken die Leute auf Qualität", sagt van Almsick. Er selbst trinkt am liebsten möglichst dunkle Schokolade: "Ich mag es, wenn die Bohne durchschmeckt, die südamerikanische Erde." Die Krönung für ihn: ein Schuss Tequila in der Schokolade.

Seite 1:

Heiße Verführung

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%