Tücken des Urheberrechts
Das große Rätsel um die Lizenz des Sherlock Holmes

In den USA streiten sich zwei Parteien um den fiktiven Detektiv Sherlock Holmes. Die Frage: Gilt das Urheberrecht für die Bücher oder für die literarische Figur? Die Antwort dürfte auch James Bond interessieren.
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ChicagoVermutlich hätte diesen komplexen Fall auch Sherlock Holmes interessant gefunden: In diesem Jahr verfällt in den USA der Urheberschutz für alle Werke des Holmes-Autors Sir Arthur Conan Doyle, die vor 1923 entstanden sind. Ein skurriler Rechtsstreit beschäftigt sich mit der Frage, ob jetzt eine neu geschriebene Sammlung von Geschichten um den bekannten Detektiv mit der typischen Mütze erscheinen darf oder ob Lizenzgebühren bezahlt werden müssen.

Kern des Disputs ist die Frage, ob ein einzelnes Werk dem Urheberschutz unterliegt oder eine literarische Figur über die gesamte Dauer ihrer Entwicklung.

Ein Richter in Chicago machte in erster Instanz den Weg frei für die neue Sammlung, aber die Erben des schottischen Autors erwägen eine Berufung. Ihr Argument: Doyle habe die Hauptfiguren Holmes und Watson auch nach 1923 noch weiterentwickelt und damit unterlägen sie weiterhin dem Copyright.

„Was für ein Scheinargument“, beklagt sich der Autor Leslie Klinger, der die Geschichtensammlung in diesem Herbst herausgeben will. „Das heißt, man kann alte eigene Geschichten von Conan Doyle lizenzfrei nachdrucken, aber keine neuen schreiben? Das ergibt keinen logischen Sinn“, sagt er. Sollte Klinger auch in der nächsten Instanz Recht bekommen, würden die unzähligen derzeit noch illegal kursierenden Geschichten um den hochgewachsenen Analytiker Holmes legalisiert werden, die derzeit von den Doyle-Erben nicht einmal entdeckt werden. Von Klinger fordert die Erbengemeinschaft rund 3700 Euro Lizenzgebühren.

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