Turin
Aufwind für die Artissima

Die am Sonntag zu Ende gegangene Artissima, die Turiner Messe für zeitgenössische Kunst, verzeichnet eine positive Bilanz. Noch herrscht Vorsicht unter den Sammlern, doch Spitzenstücke finden Liebhaber - mit Schlepptaueffekt.
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TURIN. Artissima Nummer 17 - eine Glückszahl, wenngleich die Italiener in Sachen und Aberglauben da anderer Meinung sind. De facto schiebt sich die Artissima mit ihrer 17. Veranstaltung an die Spitze der italienischen Kunstmessen. Schon im Vorfeld war deutlich geworden, dass sie bezüglich der Internationalität mit über 50-prozentiger Teilnahme aus dem Ausland bei insgesamt 153 Galerien gegenüber der traditionellen Arte Fiera von Bologna ordentlich punktete. Nun kletterte auch die Besucherzahl mit 47 000 auf Bologna-Level und die Medien schenkten der Veranstaltung Aufmerksamkeit wie nie zuvor.

Ermutigende Verkaufsbilanz

Quantität ist noch nicht Qualität, doch auch was letztere betrifft hat sie die Prüfung glänzend bestanden, was sich in der zwar noch nicht rosigen, doch für italienische Verhältnisse ermutigenden Verkaufsbilanz niederschlägt. Rote Punkte oder zumindest rosafarbene, die auf ein letztes Jawort warten - die Italiener und insbesondere die Piemonteser feilschen gern und lange um Ermäßigung - tauchten zahlreich auf. So schaut der Turiner Galerist Tucci Russo zuverlässig auf das Rotwerden des runden Zeichens an Giuseppe Penones Bronzeskulptur "Projektion (c)" für beachtliche 400.000 Euro und auch Sprovieri (London) schickt sich an, für etwa denselben Preis dem "The flying painting n.20" von Ilya und Emilia Kabakov Adieu zu sagen, in dem eine alte Dame wehmütig winkend den Blick, das Gemälde, ja die Malerei selbst zu fliehen scheint.

Blick zurück auf die Sixties

Klassiker sind gefragt, was nicht zuletzt der neuen Sektion "Back to the future" zu verdanken ist, mit der 36-jährige Messeleiter Francesco Manacorda seinen Einstand feiern wollte. Der italienische Altmeister Penone war zwar nicht in der Sektion. Aber er ist den Künstlern der 1960er- und 1970er-Jahre, die hier historisiert und revitalisiert wurden, nahe. Die 24 Soloschauen waren das Highlight der Messe. Angefangen von den Linsen, Lupen und Spiegeln des Licht- und Objektkünstlers Adolf Luther, die 401Contemporary (Berlin) für eine Preisklasse von 5.000 - 38.000 Euro anbot. Von beeindruckender Aktualität waren die Schwarzweiß-Fotografien (Preis 8.000 Euro, Galerie Senda, Barcelona) des Katalanen Antoni Miralda, die die Absurdität des Militarismus zur Zeit des Franco-Regimes und generell der Welt von heute auf surreale Weise, mit Miniatursoldaten an den verborgensten Stellen des menschlichen (vorwiegend weiblichen) Körpers, darstellen.

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