Übersetzer
Der Retter des bulgarischen Fausts

Ljubomir Iliev ist es zu verdanken, dass an bulgarischen Schulen heute noch Goethes Faust gelesen wird. Der Übersetzer und Verleger gilt als einer der produktivsten Literaturvermittler zwischen Deutschland und Bulgarien. Gerade hat er Günter Grass "Beim Häuten der Zwiebel" übersetzt.

Hätte Ljubomir Iliev Goethes Faust nicht ins Bulgarische übersetzt, wäre dieser wohl längst als Pflichtlektüre an den bulgarischen Oberschulen gestrichen worden. Und das nicht, weil es zuvor keine anderen Übersetzungen gegeben hat, denn seine Übersetzung ist bereits die zwölfte. Der Grund sei gewesen, dass die vorherigen Übersetzungen ins Bulgarische zu schlecht waren, wie der bulgarische Übersetzer und Verleger Iliev sagt. Übersetzen sei wie Putzen. Man bemerke es nur, wenn es schlecht oder gar nicht gemacht werde, sagte er einmal. Für Goethes Faust habe er immerhin fünf Jahre gebraucht.

Der promovierte Germanist, Jahrgang 1949, arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Übersetzer und gilt als einer der produktivsten Literaturvermittler zwischen Deutschland und Bulgarien. Einen Namen machte sich Iliev sowol mit der Übersetzung von Werken klassischer deutscher Autoren wie Lessing und Goethe, als auch mit der Übersetzung von Gegenwartsautoren wie Uwe Timm und Martin Suter. "Ich habe fast mein ganzes Leben Klassik übersetzt", so Iliev.

Erst vor zehn Jahren wendete er sich der zeitgenössischen Literatur zu - die im Vergleich mit der Klassischen aber keine Herausforderung gewesen sei. Gerade hat Iliev die Arbeit an dem Jahrhundertroman "Der Mann ohne Eigenschaften" von Robert Musil beendet - 4000 Seiten für den Rowohlt Verlag. "Eine körperliche Leistung", wie er sagt. Jetzt steht noch die Übersetzung des Nachlasses an. Doch den hat Iliev erstmal beiseite gelegt, um den neuen Günter Grass "Beim Häuten der Zwiebel" zu übersetzen.

"Mit der Übersetzung möchte ich Grass einen Freundschaftsdienst erweisen", sagt er auf Nachfrage. "Doch ich habe mich mit ihm überschätzt." Eine Hilfe sei, dass Grass immer, wenn eines seiner Bücher neu erscheint, alle Übersetzer zu einer Werkstatt-Woche einlädt. Diese Woche werde dazu genutzt, schwierige Buchstellen oder auch Missverständnisse zu klären. "Da ist Grass unter den deutschen Autoren eine Ausnahme", sagt Iliev. Und: "Von Goethe habe ich noch nie eine Mail bekommen." Das gute an toten Autoren sei, dass sie am Ende nicht meckern könnten.

In Kürze soll der übersetzte Grass erscheinen - in Ilievs eigenem Verlag. "Seitdem ich die Hälfte des bulgarischen Verlages Atlantis gekauft habe, kann ich sicher sein, dass meine Arbeiten verlegt werden", sagt er. Für viele Übersetzer sei das häufig ein Problem. In erster Linie sieht er sich jedoch nicht als Verleger, sondern weiterhin als Übersetzer.

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