Unabhängiger Buchhandel
Besser als Jeff Bezos

Die Zukunft des Buchhandels liegt im Internet, heißt es spätestens seit dem Siegeszug von Amazon. Passionierte Buchhändler wollen das nicht hinnehmen – und setzen auf mehr Kundennähe. Der Erfolg gibt ihnen recht.
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Im 1. Dezember 2015 erfüllte sich Bettina Krauskopf ihren Lebenstraum: Die Neumünsteranerin eröffnete ihren eigenen Buchladen. Auf 127 Quadratmetern Verkaufsfläche verteilte sie ihre Bücher und wartete auf Kunden, die nach Geheimtipps suchten und anschließend mit schönen Geschichten in der Tasche nach Hause gehen sollten.

Über ein Jahr später blickt Krauskopf auf einen kleinen Erfolg zurück: Nicht nur der Bücherverkauf läuft, auch die Autoren-Lesungen sind meist ausverkauft. Besonders beliebt sind aber ihre persönlichen Leseabende: Alle paar Monate stellt sie ihre persönlichen Lese-Highlights vor, für die nächsten Veranstaltungen gibt es bereits Wartelisten.

Wer denkt, Buchhändler würden kein Geld mehr verdienen, irrt: 2015 setzte die Branche laut dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels 9,19 Milliarden Euro um, fast 400 Millionen Bücher fanden den Weg in die Regale der Leser. Der Sortimentsbuchhandel erzielte dabei rund die Hälfte des Marktumsatzes – nämlich 4,43 Milliarden Euro. Tatsächlich wurden nur 17 Prozent aller verkauften Bücher im Internet bei Amazon & Co. bestellt, der Rest verteilt sich auf Buchclubs, Katalogbestellungen und dem Direktvertrieb der Verlage.

Der Grund für die noch immer starke Position des Buchhandels, liegt in den passionierten Buchhändlern, die mit Ideenreichtum dem Gespenst des Onlinehandels entgegen treten. In Deutschland gibt es rund 5.000 Buchhandlungen, deren Inhaber sich durch Verlagsprogramme wühlen, Buchempfehlungen aussprechen, Schaufenster kreativ dekorieren, Geschenke verpacken. Sie sind überzeugend: Bücher liebende Menschen lieben auch Buchhandlungen.

Das ist auch die Einschätzung von Thomas Koch, Pressesprecher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. „Gerade bei kleineren Buchhandlungen liegen die Vorzüge gegenüber dem Online-Handel auf der Hand: Sie kennen ihre Kunden und haben oft die Rolle des guten Freundes oder der guten Freundin, die mir ein Buch empfehlen“, sagt er und ergänzt: „In den Stadtvierteln sind Buchhandlungen kulturelle Treffpunkte und gehören zum öffentlichen Leben.“

So zum Beispiel die politische Buchhandlung BiBaBuZe im Düsseldorfer Stadtteil Bilk. Geht man bei den großen Buchhandelsketten in Abteilung Politische Sachbücher, findet man in erster Linie Empörungsbücher à la Thilo Sarrazin. Bei BiBaBuZe hingegen: Regalreihen über Internationale Politikverflechtung, die Politik des Nahen Ostens oder Afrikas, Fachliteratur über Frauenrechte, Migration, Faschismus, die Resistenza.

Auch die Belletristik ist politisch gefärbt: Krimis aus Ägypten, Gesellschaftsromane aus Albanien und dem Libanon, Übersetzungen aus dem Litauischen und Japanischen. Ein Thilo-Sarrazin-Buch würde Inhaberin Antje Westermann niemals im Geschäft auslegen. „Wir wollen über Fremdenfeindlichkeit aufklären und sie nicht befeuern“, erklärt die Frau mit den langen grauen Haaren.

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Lesestoff wie auf der Tupper-Party

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