ViennAfair heißt die neue, nach Osteuropa strahlende Messe für zeitgenössische Kunst in Wien
Gelungene Mischung aus Ehrgeiz und Realismus beim Debüt

Österreichische Galerien sind seit langem auf internationalen Messen präsent. Nun trauen sie sich auch zu Hause in den offenen Fahrtwind.

WIEN. Mit der ersten Ausgabe der neuen Verkaufsschau viennAfair im neu errichteten Messezentrum Wien und mit der selektiven Öffnung für ausländische Teilnehmer – die die Hälfte der insgesamt 90 Stände einnehmen – ist ein entscheidender Schritt in der Professionalisierung der Wiener Galerienszene getan.

Neben der Erschließung des Messestandortes Wien ist das Wachstum des heimischen Marktes ein Ziel dieses auf lange Sicht angelegten Projekts. „Das Potenzial für Kunstsammlungen in Österreich ist noch nicht ausgeschöpft“, ist sich Rosemarie Schwarzwälder, Leiterin der Galerie nächst St. Stephan und eine der maßgeblichen Initiatorinnen, sicher.

Ein anderes Merkmal gestärkten Selbstvertrauens und darüber hinaus andernorts eine Selbstverständlichkeit ist die Einführung einer Collector’s Preview am Eröffnungstag. Einige in der Szene bekannte Gesichter europäischer Sammler wurden bemerkt und erste Verkäufe abgewickelt. So wurde bei Lisson aus London eine großformatige Fotoarbeit von Jane&Louise Wilson abgegeben. Michael Schultz aus Berlin verkaufte eine große liegende Frauenfigur der koreanischen Malerin SEO an einen entschlussfreudigen österreichischen Sammler.

Die Messe findet in einem unaufgeregten, durch die funktionale Architektur bestimmten Klima statt und profitiert von dem erfahrenen Gestalterteam Kühn Malvezzi, das sich Veranstalter Reed zum Einstand geleistet hat. Sehr robuste, dreieinhalb Meter hohe Wände schaffen hervorragende Bedingungen für die Aussteller. Die Wegführung im Zick-Zack-System verteilt die Besucher und leitet sie auf Umwegen, das heißt entlang vieler kleinerer Kojen, zum Zentrum.

Dort sitzen die großen Gemeinschaftsstände von Lisson/nächst St. Stephan, Lelong/Thoman und Esther Schipper/Meyer Kainer. Ropac, Krinzinger, Kargl, König und Svestka schließen mit großen Einzelständen an. Alle Galeristen zeigen einen Querschnitt durch das jeweilige Programm. Schipper/Meyer Kainer gelingt mit einer über beide Wände laufenden Schrift-Arbeit von Liam Gillick eine Gesamtgestaltung, die einzelne Bilder, Wand- und Bodenobjekte von Franz West, Heimo Zobernig und Angela Bulloch miteinander verklammert.

Eine richtiggehende Leistungsschau veranstaltet Mario Mauroner mit Großplastiken unter anderem von Bernar Venet mit einer „Indeterminate Line“ aus Stahl für 200 000 Euro. Ein eher ungewohnter Anblick für das Wiener Publikum sind auch die großformatigen Inkjet-Landschaften von Julian Opie bei Wetterling aus Stockholm (36 300 Euro) oder ein Spiegelobjekt von Daniel Buren, „Les Visages Colorés“, für 40 000 Euro bei Buchmann aus Köln.

Mit großen, repräsentativen Arbeiten gut bekannter Künstler treten nächst St. Stephan (Herbert Brandl), Georg Kargl (Elke Krystufek) und Engholm Engelhorn (Hendrik Krawen) auf. Eine strengere Selektion der heimischen Galerien gegenüber der Vorgängermesse fällt ebenso auf wie der Einzug junger, experimenteller Kunsträume (Viktor Bucher, Kunstbuero).

Mit Ost- und Südosteuropa, dem Schwerpunktthema der Messe, will sich Wien mittelfristig als Marktplatz für die Szenen der Nachbarländer etablieren. Sehr viel Erfahrung hat der Wiener Galerist Hans Knoll, der seit 1988 in Budapest etabliert ist. Er zeigt auf der viennAfair neue, sehr locker gemalte Bilder von Akos Birkas zum Thema möglicher Intimität in einer medial bestimmten Lebenswelt (bis 8 000 Euro).

Gut behaupten können sich im Wiener Messeklima die bereits weltläufige Budapester Fotogalerie Vintage, die Moskauer Galerie Regina mit Fotoarbeiten junger russischer Künstler sowie Gregor Podnar aus Ljubljana, der sich neben Nachwuchskünstlern auch für sehr Bekannte, auf dem Markt jedoch kaum Etablierte wie Irwin oder Vadim Fiskin einsetzt. Einen ansehnlichen Auftritt leistet sich auch Raster aus Warschau mit einer non-profit und einer kommerziellen Programmlinie. Bei Raster fallen die Bilder des jungen Bartek Materka auf, der die Räumlichkeit von Videobildern ins Medium der Ölmalerei umsetzt (bis 2 000 Euro).

Unter den insgesamt 17 auf dieser Messe vertretenen osteuropäischen Galerien und Kunsträumen, die zum Teil mittels Sponsoring durch eine Wiener Bank eingeladen wurden, haben einige damit zu kämpfen, mit ihrem Angebot in einer häufig sehr kleinen Koje wahrgenommen zu werden. Diese Situation im Laufe der kommenden Jahre zu verbessern ist eine der Aufgaben dieser Messe, deren Premiere in ihrer Mischung aus Ehrgeiz und Realismus gelungen ist.

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