Walter Stöhrer
„Wir verteidigen die Preise“

Das Museum Küppersmühle in Duisburg erinnert an den rebellischen Einzelgänger Walter Stöhrer. Er gehört zu den Hauptvertretern der figurativ-gestischen Malerei. Sammler entdecken sein furioses Werk neu. Auf dem Markt hat Stöhrer keinen leichten Stand.
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DUISBURG. Auf Fotos sieht Walter Stöhrer (1937-2000) immer ziemlich abgewrackt aus. Ein kerniger Typ mit buschigen Augenbrauen, dichtem welligen Haar und Schnauzbart. In seinen späten Jahren wird es schlohweiß. Man sieht ihn hochkonzentriert im weißen Overall am Maltisch stehen; bis zur Brust mit Farbe besprenkelt.

Seine Palette ist prächtig: Viel Rot, viel Schwarz, viel Weiß; dazwischen auch mal ein heftiges Orange oder ein triumphierendes Blau. Stöhrer malt damit Bilder, die einen erst wach küssen und dann schwindelig machen. Von Ruhezonen keine Spur. Ein heftig Bewegter führt hier den Pinsel.

Dieter Brusberg bekommt Herzschmerzen

Zarte Linien und dichte Farbbahnen dynamisieren bereits in den frühen Sechzigern die Bildfläche. Ab Ende der sechziger Jahre entwickelt Stöhrer dichte Texturen aus skripturalen Elementen und graffitiartigen Figurenteilen. Die Literatur wird ein zentraler Auslöser und Angelpunkt seines malerischen Tuns. Immer wieder inszeniert er öffentliche "Malprozesse" (zwischen 1969 und 1986). Galerist Dieter Brusberg bekommt "Herzschmerzen", als er den Künstler Mitte der siebziger Jahre zum ersten Mal in seinem Atelier besucht, der Auftakt für eine intensive Zusammenarbeit. Zu dieser Zeit ist Stöhrer bereits ein Einzelgänger.

Rüde reingehauene Monsterwesen

Wenig verbindet Stöhrer mit der reinen Geste des gegenstandslosen Informel. Viel wichtiger ist für ihn Willem de Kooning und der Abstrakte Expressionismus, der amerikanische Verwandte der europäischen Nachkriegs-Abstraktion. Daneben hat der gebürtige Stuttgarter James Ensor, Dubuffet und die Art Brut für sich fruchtbar gemacht. Rüde reingehauene Monsterwesen bevölkern vor allem in den sechziger und siebziger Jahren die Bilder. Die haben Klasse. Vielleicht gehören sie sogar zu den interessantesten Entdeckungen, die das Werk des schwäbischen Malers bereithält. Charakteristisch für das Spätwerk der Neunziger ist ein verschwenderischer Umgang mit der Farbe Rot. Auf der Leinwand dominieren nun lineare Wellenbewegungen und Strudel, deren Fließrichtung von energischen Farbbahnen gestört werden.

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