Web-Kritik
Zwischen Tagesschau, Kindernachrichten und dem bösen „F-Wort“

Zielgruppe der neuen TagesWEBschau der ARD sind unter 30-Jährige. Die Themen der Sendung bestimmt das Netz. Nach der ersten Folge könnten sich die Zuschauer aber für dumm verkauft fühlen.
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Düsseldorf„Willst du was gelten, mach dich selten“ heißt ein von Müttern gern zitierter Spruch. Sollte dies auch für Internetformate gelten, muss die TagesWEBschau ein Juwel sein, denn kurz nach ihrem offiziellen Start um 16.45 Uhr ist sie im Internet erst mal schwer auffindbar.

Abhilfe bietet erst die Suchfunktion der ARD Mediathek und der vierte von vier Treffern. Komisch, denn zumindest auf den reichweitenstarken Radio-Jugendwellen hatte man bereits am Morgen groß die Werbetrommel gerührt. Nun ist man schüchtern.

Einmal gefunden und angeklickt erinnert nur noch wenig an die große Schwester „Tagesschau“. Keine tickende Uhr, kein Moderator, kein Studio. Nach einem Mini-Intro erscheint die erste Nachricht: „Kaum Bewegung bei Facebook-Voting“. Die gesamte Nachricht ist mit Grafiken bebildert. Nach den bereits so oft abgefilmten Bildschirmen und Außenansichten der Facebook-Zentrale eigentlich eine nette Abwechslung. Doch einige Zuschauer dürften sich bald für dumm verkauft vorkommen, denn die Grafiken könnten durchaus auch für die Konsumenten der ARD Kindernachrichten „LOGO“ gedacht sein.

Dass Facebook die Umfrage nicht freiwillig gestartet hat, „sondern erst nach Protesten“, bebildert man mit einem Banner mit der Aufschrift „Protest“. Und dass die User nun die Wahl zwischen den „alten und neuen Datenschutzbedingungen“ haben, wird auch im Bild unmissverständlich klar. Eine Wahlurne mit der Aufschrift „alt“ – daneben eine mit der Aufschrift „neu“. Missverständnisse entstehen so nicht, aber auch keine Freude am Zuschauen.

Die Einschätzung liefert ein Experte. In der normalen Tagesschau würde den Zuschauer nun eine Live-Schalte erwarten, doch hier startet ein Google-Earth-Flug nach Wien. Ein Foto des Interviewpartners Max Schrems von der Vereinigung „Europe vs. Facebook“ erscheint und dazu eine leicht kratzige Telefonaufzeichnung. Er findet deutlich klarere Worte als gewöhnliche Tagesschau Interview-Partner. Die Wahl sei eine Entscheidung zwischen „Pest und Cholera“, so sein Urteil.

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Hat da jemand bei der ARD das „F-Wort“ gesagt?

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