„Wenderoman ohne Wende“
Deutscher Buchpreis für Eugen Ruge

Mit seinem ersten Prosatext „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ gewinnt Eugen Ruge den Deutschen Buchpreis. In dem Roman erzählt er von einer Familie, die an die DDR geglaubt hat - mit allen Hoffnungen und Illusionen.
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FrankfurtAm Ende hat sich ein DDR-Familienroman durchgesetzt: Eugen Ruge hat für seinen Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ den Deutschen Buchpreis 2011 gewonnen. Der sichtlich überraschte Schriftsteller erhielt die mit 25.000 Euro dotierte und werbeträchtige Auszeichnung im Kaisersaal des Römers in Frankfurt am Main. Eine Jury aus sechs Literaturkritikern und Autoren gab Ruges Werk den Vorzug vor weiteren fünf Finalisten.

Eugen Ruge wurde 1954 in der Sowjetunion geboren und wuchs in der DDR auf. Die Geschichte seines jetzt prämierten Romans ist stark an die Geschichte seiner eigenen Familie angelehnt. Das Buch erzählt von einem überzeugt kommunistischen Ehepaar, dessen linientreuen Sohn und dem widerständigen Enkel, der mit dem sozialistischen System bricht.

Ruge erzähle dramaturgisch geschickt und zugleich komisch vom Anfang bis zum Ende der DDR und damit ein Stück deutscher Geschichte, urteilte die Jury: „Es braucht nur ein paar Seiten, um mittendrin zu sein, im Leben der Anderen.“ Der Grundton sei „traurig, aber gelassen“ in der Schilderung des Scheiterns eines Systems. Der Autor selbst sagte über sein Buch, es sei „ein Wenderoman ohne Wende“.

Bislang war Eugen Ruge als Theaterautor tätig. „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ ist sein erster Prosatext, den er jedoch mit „theatralischen Dialogen und viel Unterschwelligem, wie es für das Theater typisch ist“, anreicherte, wie er sagte. Bei der Dankesrede im Frankfurter Römer hielt Ruge sich knapp: Er habe aus Aberglaube bewusst keine Rede für den Fall seines Erfolgs vorbereitet.

Eugen Ruge wird als Gewinner des Deutschen Buchpreises, das zeigt die Erfahrung des seit 2005 am Vorabend der Frankfurter Buchmesse verliehenen Preises, in den kommenden Tagen viele Interviews geben und in den Messehallen oft aus seinem Roman vorlesen.

Die übrigen fünf Finalisten müssen sich damit trösten, ebenfalls auf der Shortlist gestanden zu haben: Jan Brandt mit seinem langen Provinzroman „Gegen die Welt“, Michael Buselmeier mit seiner ebenfalls in der Provinz angesiedelten Erzählung „Wunsiedel“, Angelika Klüssendorf mit ihrer Schilderung einer DDR-Kindheit in „Das Mädchen“, Sibylle Lewitscharoff mit „Blumenberg“, ihrer Hommage an den Philosophen Hans Blumenberg, und Marlene Streeruwitz mit dem Psychogramm einer jungen Frau in einer technisierten Welt in „Die Schmerzmacherin“. Die Finalisten erhalten jeweils ein Preisgeld von 2.500 Euro.

Die sechsköpfige Jury sichtete seit fünf Monaten fast 200 deutschsprachige Romane, die seit vergangenem Spätherbst erschienen waren. Die Vorsitzende der Jury, Maike Albath vom Deutschlandfunk, nannte es auffällig, wie viele Autoren in ihren Büchern ihre eigene Biografie verarbeiteten. Die DDR und die westdeutsche Provinz seien bestimmende Themen. „Es geht um die Verortung seiner selbst“, sagte Albath. Das ursprünglich siebte Mitglied, Clemens-Peter Haase vom Goethe-Institut, starb im Juli.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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