Wiedereröffnung
Neues Museum: Kronjuwel der Berliner Museumsinsel

Nach dem Architekturdebüt im März nun die glanzvolle Bespielung: Das Neue Museum beweist seine Ausstrahlung als Kronjuwel der Berliner Museumsinsel. Auf über 8 000 qm Ausstellungsfläche werden 9 000 Objekte präsentiert. Die nun verbundenen Bestände des Ägyptischen Museums, der Papyrussammlung und des Museums für Vor- und Frühgeschichte haben dreimal so viel Platz wie in den alten Quartieren.
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BERLIN. Damit gibt es für die thematisch geschickt verbundenen Bestände des Ägyptischen Museums, der Papyrussammlung und des Museums für Vor- und Frühgeschichte dreimal so viel Platz wie in den alten Quartieren. Symptomatisch zentriert sich das Bildprogramm in den Lichtgestalten der Nord- und Südkuppelsäle. Im ersten entfaltet Nofretete vor historisch grüner Wand in magischer Beleuchtung ihren zeitlosen Zauber, im anderen beherrscht die Kolossalstatue des Gottes Helios. Immer wieder gibt es erhellende Übergänge und Verknüpfungen: des Römischen mit dem Germanischen, des Ägyptischen mit dem Römischen. Daneben behaupten sich Inseln des Wissens wie die im exemplarisch restaurierten Niobidensaal ausgestellte Papyrussammlung oder die Beiträge zur Ägyptomanie im Erdgeschoss.

Über Skulpturen, die das Menschenbild im Alten Ägypten dokumentieren, erscheinen die entsprechenden Jahreszahlen in raffinierter Lichtprojektion. Dekorativ sind schwere Sarkophage im ägyptischen Hof aufgestellt, dessen Galerie die alten fragmentarisch erhaltenen Wandbilder des Stüler-Baus wie archäologische Pretiosen ausstellt. In den Gewölben des Untergeschosses breitet sich der ägyptische Todeskult mit Mumiensärgen und Masken, mit Holzarbeiten und Kanopen aus.

Die Aufstellung der Objekte lässt im ganzen Haus genug Freiraum für die Promenade. Nur die massiven Holzeinbauten im Obergeschoss (Altsteinzeit bis Eisenzeit), die eingebaute Vitrinen zu Guckkästen machen, erscheinen als klotzige Vergewaltigung der Architektur. Dafür gibt der "Rote Saal" mit seinen historischen Vitrinen und alten Beschriftungen deutliche Hinweise darauf, wie viel man heute besser machen kann. So ist das wiedergewonnene Haus neben seiner museologischen Präsenz auch eine ästhetische Fundgrube fortgeführter Geschichte

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