Shortlist Wirtschaftsbuchpreis: Lob der Macht
„Der Wille zur Macht ist Lustgewinn“

Macht ist eine wichtige Voraussetzung für Fortschritt. Sie sollte weder geleugnet noch dämonisiert werden. Erst Macht, die sich nicht begrenzen kann, wird zur Bedrohung, argumentiert der Wirtschaftsjournalist Rainer Hank.

BonnSie wollen mit aller Macht nach ganz oben. Haben sie dann endlich das Ziel erreicht, scheint sich in den Machtmenschen allerdings eine merkwürdige Metamorphose abzuspielen. Kein öffentliches Wort davon, die Macht politisch oder wirtschaftlich einsetzen oder gar auskosten zu wollen.

Stattdessen devote Erklärungen, man werde nun mit ganzer Kraft für das Wohl der Bürger arbeiten beziehungsweise den Kunden, Mitarbeitern und Aktionären dienen. Warum flüchten Protagonisten in eine verquaste Verantwortungsrhetorik, die ihnen ohnehin keiner abnimmt?

Macht hat, zumal in westlichen Demokratien und Wirtschaftssystemen, einen schlechten Ruf. Ihr haftet etwas Anrüchiges, gar Verbotenes an. Die Erkenntnis, dass dieses schlechte Image falsch ist, bildet den Ausgangspunkt des neuen Buchs von Rainer Hank.

In „Lob der Macht“ nimmt der Wirtschaftsjournalist eine Neuvermessung der Macht vor. Seine zentrale These: „Der Drang, Macht zu erringen, ist Triebfeder des zivilisatorischen Fortschritts. Der Wille zur Macht ist Leistungsansporn und Lustgewinn; er sollte weder geleugnet noch als machiavellistisch dämonisiert oder gar diabolisiert werden.“

Doch blendet der Autor damit nicht die Schattenseiten der Macht aus? Waren Hitler und Stalin etwa nicht vom Willen zur Macht getrieben? Diese Einwände laufen ins Leere. Hanks Lob der Macht ist keine Billigung von Machtmissbrauch.

Die produktive Kraft der Macht, das hebt er hervor, kann sich nur entfalten, solange sie bestreitbar ist, anders formuliert: solange der Markt der Macht offen ist. „Wettbewerb als Entmachtungsverfahren ist ein ökonomisches Prinzip, das weit über den Bereich der Wirtschaft hinaus relevant ist.“ Erst wenn Macht sich absolut setzt, wird sie zur Bedrohung.

Funktioniert hingegen der Markt der Macht, so Hank, ebne das den Weg für technischen Fortschritt, neue medizinische Errungenschaften und steigenden Wohlstand. Ist der Wettbewerbsmechanismus intakt, setzten produktive Ideen sich machtvoll durch, wie ein Blick in die Geschichte zeige.

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„Der Wille zur Macht ist Lustgewinn“

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Vom Star zum Gebrochenen: Der Fall Middelhoff

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