Wladimir Putin
Der Machtmensch im Kreml

Milizionäre, die auf Demonstranten einprügeln, festgenommene Oppositionspolitiker – es waren keine schönen Bilder aus Russland in den vergangenen Tagen. Doch was genau ist dort los? Drei Bücher versuchen, diese Frage zu beantworten, analysieren das System Putin, loben den Wirtschaftsboom und kritisieren die autoritäre Politik in der „Demokratur“.

DÜSSELDORF. Vor der Parlamentswahl am Sonntag in Russland klagt die Opposition über massive Behinderungen durch die Behörden, Präsident Wladimir Putin wiederum wirft den USA vor, die Legitimität des Wahlganges untergraben zu wollen. Was ist los in Russland?

Drei neue Bücher versuchen, diese Frage zu beantworten – eine einheitliche Antwort geben sie nicht. Die beiden Co-Autorinnen Margareta Mommsen und Angelika Nußberger sowie Boris Reitschuster kritisieren scharf die autoritären Grundzüge der „gelenkten Demokratie“ Putins. Die ehemalige Moskau-Korrespondentin der ARD, Gabriele Krone-Schmalz, hält dagegen: Putin sei „wie kaum einer seiner Vorgänger bemüht, Russland zu einem rechtsstaatlichen Fundament zu verhelfen“.

Ihr Buch „Was passiert in Russland?“ liest sich wie eine Verteidigungsschrift für Putin – und wie eine Abrechnung mit der Berichterstattung der deutschen Medien. Krone-Schmalz diagnostiziert eine „gewaltige Diskrepanz zwischen der Realität im Land und den Stereotypen, die sich nach wie vor in westlichen Köpfen halten“. Noch schlimmer: Der Ton in den Zeitungskommentaren und Fernsehberichten, „abwertend, verächtlich, spöttisch und vorwurfsvoll“, zeuge davon, dass der zu Zeiten der Sowjetunion noch vorhandene Respekt verloren gegangen sei.

Dabei hat Russland aus Sicht von Krone-Schmalz reichlich Anerkennung verdient. Denn das Land musste nach dem Zusammenbruch der UdSSR gleich drei Revolutionen verkraften: von der Diktatur zur Demokratie, von der Plan- zur Marktwirtschaft, vom Sowjetreich zum Nationalstaat. Der Übergang verlief keineswegs glatt. Unter Putins Vorgänger Boris Jelzin regierten Chaos und hemmungslose Selbstbereicherung der Mächtigen. Putin habe es geschafft, dem Volk Stabilität und Selbstbewusstsein zurückzugeben. Auf der Habenseite des Präsidenten verbucht Krone-Schmalz besonders den Aufschwung, den die russische Wirtschaft erlebt. Der Boom sei keineswegs nur den steigenden Erdöl- und Gaspreisen zu verdanken – vielmehr habe Putin mit einer „wahren Reformorgie“ entscheidend dazu beigetragen.

So weit mag man der Journalistin noch folgen. Auch weist sie zu Recht auf Enttäuschungen der Russen über den Westen hin, etwa die Verantwortung des Internationalen Währungsfonds bei der Rubel-Krise 1998 oder die gebrochenen Versprechen bei der Nato-Osterweiterung.

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