Zaha Hadid
Am kühnen Tisch

Zaha Hadid entwirft nicht nur Häuser, sondern auch Möbel. Aber ihr Aqua Table kann durchaus so viel kosten, wie ein kleines Wochenenddomizil in den Alpen. Die Kenner warten schon auf die Prototypen der neusten Hadid-Kollektion.

DÜSSELDORF. Sammler modernen Designs stehen immer vor einem Dilemma. Zum einen sind ihre Liebhaberstücke beinahe Skulpturen, Ikonen, ein Stück Kunstgeschichte. Andererseits sind sie zum Besitzen und Bewohnen gemacht. Und manch einer musste bittere Tränen verdrücken, weil er seinen Arne-Jacobsen-Stuhl aus Rosenholz oder die Erstserie von Verner Panton einem Doppelzentner-Gast überlassen hatte. Eine Erfahrung, deren mahnende Überreste man nur aufkehren und bestenfalls einem sehr begabten Restaurator übereignen kann.

Noch viel drängender sind solche Fragen bei nigelnagelneuen Möbelstücken wie dem Aqua Table von der Möbelfirma Established & Sons. Das Designkollektiv hatte im vergangenen Jahr seine erste Kollektion herausgebracht und damit gleich Designgeschichte geschrieben. Denn kaum waren die ersten Stücke auf dem Markt, da wurde einer der beiden Prototypen des Aqua Table für 296 000 Dollar versteigert. So viel hatte ein Stück zeitgenössischen Designs bei Phillips de Pury noch nie eingebracht. Kaffeeflecken auf einem 296 000-Dollar-Tisch? Eine dekadente Vorstellung.

Die Tischobjekte stammen aus der Feder der Architektin Zaha Hadid. Hadid war die erste Frau, die mit dem bedeutenden Pritzker-Architektur-Preis ausgezeichnet wurde und von der Bergisel-Schanze in Innsbruck über das Wissenschaftsmuseum „phaeno“ in Wolfsburg bis zum Entwurf des olympischen Schwimmstadions in London eine Reihe herausragender Bauwerke entworfen hat.

Der monumentale Konferenz- oder Esstisch wirkt denn auch wie das Schwimmstadion in einer Wohnzimmerversion. Er steht auf drei Kegeln und erinnert an ein „Dolomiti“-Eis (Sie wissen schon, das mit den drei Gipfeln), das auf den Kopf gestellt wurde. Fließende Formen, schrumpfen, ausdehnen, schmelzen – Hadid versucht, die Geradlinigkeit der Architektur und der Möbel aufzulösen. Der „Wassertisch“ wird mittlerweile als Ikone des zeitgenössischen Designs gehandelt, und Experten finden den Preis dementsprechend auch kaum überzogen.

Und schließlich muss ja nicht jeder den Prototyp ersteigern. Established & Sons hat beim Aqua Table gleich die gesamte Wertschöpfungskette des Luxus durchdekliniert: Es gibt ein einfaches, kleineres Modell aus Polyurethan, rund 18 000 Euro teuer. Die nächste Sammlerstufe erklimmt man dank ethischem Mehrwert: den Aqua Table Red, zusammen mit der von U2-Frontmann Bono Vox ins Leben gerufenen Spendenmarke. Mittlerweile können Wohlmeinende Sonnenbrillen von Armani, Apples iPod oder T-Shirts von Gap in der Spendenfarbe erwerben und damit einen Anteil gemeinnützigen Projekten zukommen lassen. Und die Gewinne des rund 34 700 Euro teuren roten Tisches gehen komplett an gemeinnützige Projekte. Apropos gemeinnützig: Ein weißer Aqua Table aus der normalen Produktion, der von Hadid signiert und auf der jährlichen Gala des Guggenheim-Museums zu Gunsten der Solomon R. Guggenheim Stiftung versteigert wurde, erzielte stolze 150 000 Dollar.

Der versteigerte Tisch stammte nicht einmal aus der limitierten Edition, die echten Designfans vorbehalten bleibt. Das sind jeweils zwölf Stück in Weiß und zwölf in Schwarz, bezogen mit einem Silikongel, das in die drei hörnchenartigen Füße hineinzufließen scheint und kleine Pools auf der Tischplatte erzeugt. Die zwölf weißen Modelle, die im vergangenen Jahr auf den Markt kamen, sind schon ausverkauft. Doch für Sammler hat Established & Sons auf der Designmesse in Miami in dieser Woche das schwarze Modell präsentiert. Auf der Kölner Möbelmesse (15.-21.1.07) wird die Designikone ebenfalls zu sehen sein.

Echte Kenner warten indessen auf die Prototypen der neusten Hadid-Kollektion. Die heißt „Seamless“ und wirkt wie Architektur gewordene amerikanische Straßenkreuzer. Die Möbelobjekte sind je auf sechs, acht oder zwölf Modelle beschränkt und wurden gerade bei Phillips de Pury ausgestellt und verkauft. Für Sammler übrigens ideal: Sie wirken kaum wie Möbel. Vielleicht kommen so schwergewichtige Gäste gar nicht erst auf die Idee, sich in eines der guten Stücke fallen zu lassen.

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