Ärger im Modeparadies
Giorgio Armani wettert gegen Zirkusmode

Vornehme Zurückhaltung steht für gewöhnlich in der Modewelt Italiens an erster Stelle. Doch Gran Signore Giorgio Armani konnte angesichts der Börsengänge von Prada und Ferragamo nicht mehr an sich halten.
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MailandIn der italienischen Modewelt gibt es eigentlich keine Kritik. Die Designer klopfen sich in der Öffentlichkeit gegenseitig auf die Schulter und stehen gemeinsam für das „Made in Italy“, das den guten Geschmack in die weite Welt hinausträgt. Der Schmutz bleibt hinter verschlossenen Türen. Doch damit hat der Designer Giorgio Armani vergangene Woche – kurz vor den Börsengängen von Prada und Salvatore Ferragamo – Schluss gemacht.

Die Herrenmodewoche in Mailand ging zu Ende, und der 76-jährige Gran Signore der italienischen Mode ließ es sich mal wieder nicht nehmen, seine Sicht der Dinge mitzuteilen. Womit keiner gerechnet hat: Armani wies die Konkurrenz zurecht – insbesondere Prada, jenes Modehaus, das am Freitag in Hongkong an die Börse gegangen ist. Der Auftakt in Asien war wenig euphorisch, der Kurs pendelte stets um den Ausgabekurs und endete nur ganz leicht im Plus.

„Die Mode ist heute in der Hand der Banken und der Börse. Sie gehört nicht mehr den Besitzern, sondern jenen, die über ihnen stehen“, machte der Selfmademan seinem Ärger Luft. Wozu das in seinen Augen führt? Zu immer spektakuläreren Schauen, die nur auf Schlagzeilen aus sind und nicht darauf, tragbare Kollektionen zu präsentieren. „Wir sollten aufhören mit dieser Zirkusmode, die die Männer beleidigt und lächerlich macht“, mahnt der Mann, der in Italien auch Re Giorgio (König Giorgio) genannt wird. „Wenn ich kreiere, denke ich immer daran, dass die Kleidung getragen werden muss und nicht als Spektakel gedacht ist“, sagt er.

Ein klarer Seitenhieb auf die Kollegin Miuccia Prada, die mit zwei Milliarden Euro mittlerweile mehr umsetzt als Armani. Ihr wirft Armani vor, hauptsächlich an Accessoires zu verdienen, die Schauen nur als Show zu nutzen und sich außerdem Geld an der Börse zu besorgen. „Ich habe keine Schulden“, stellt Armani klar, der über mehr als 600 Millionen Euro liquide Mittel verfügt. „Das Problem von Prada dagegen ist, dass sie Geld zurückzahlen müssen, das ihnen die Banken gegeben haben, um ihre Marke stark zu machen“, sagt er.

Tatsächlich hat Prada vor zehn Jahren versucht, eine kleine Luxusholding aufzubauen, und sich damit verspekuliert. Das gilt auch für den Kauf der deutschen Marke Jil Sander, die sie mit einem deutlichen Verlust an einen Private-Equity-Investoren weiterverkaufte. Noch heute sitzt das Unternehmen auf insgesamt 630 Millionen Euro Schulden. Doch wie Prada bereits vor dem Börsengang bekanntgegeben hat, sollen nur 15 Prozent der 1,5 Milliarden Euro Einnahmen an der Börse der Schuldentilgung dienen. Mit dem restlichen Geld will Prada neue Läden eröffnen, vor allem in Asien.

Armani will von Börse, Banken und Finanzinvestoren nichts wissen. Re Giorgio will in seinem kleinen Reich, das 2010 rund 1,6 Milliarden umgesetzt und 161 Millionen Euro Gewinn gemacht hat, Alleinherrscher bleiben. „Ich will nicht, dass irgendein thailändischer Manager vor meiner Tür steht, mit dem ich diskutieren muss“, sagt er. „Ich hänge nur von meiner Kreativität ab und von der meiner Mitarbeiter. Ich habe nicht vor, einen anderen Weg zu wählen.“

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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