So lebt sich der Traum vom eigenen Baumhaus

Mein Leben im Baumhaus – Fazit
Ich brauche fast nichts, um glücklich zu leben

Fünf Wochen hat Handelsblatt-Volontärin Vera Münch das Leben im Baumhaus und in einem Hausboot ausprobiert. Mit Konsequenzen: Sie gibt ihre Wohnung auf und zieht in einen VW Bus um – mehr Freiheit, mehr Unabhängigkeit.

DüsseldorfIch bin dankbar. Fünf Wochen lang durfte ich dem Wohnalltag entfliehen und etwas ganz Neues ausprobieren. Ich verbrachte einen Monat in einem Baumhaus in Berlin-Zehlendorf und anschließend noch eine Woche auf einem Hausboot in der Rummelsburger Bucht, ebenfalls in der Bundeshauptstadt.

Ich wollte wissen, was dran ist an der romantischen Vorstellung des neuen Trends: minimalistisch und in der Natur leben. Ich wollte wissen, welche Auswirkungen das auf mich, mein Wohlbefinden und meine Lebensqualität hat. Und ich habe gelernt: Wenn man die Natur um sich hat, dann braucht man weder viel Platz noch viel Besitz.

Nachdem ich automatisch mehr Zeit in der Natur verbracht habe, fühlte ich mich ausgeglichener denn je. Ich wollte nach der Arbeit nicht in der Innenstadt bleiben oder abends ausgehen. Nach Feierabend empfand ich schnell ein Urlaubsgefühl – eine Art Vorfreunde, in das kleine Baumparadies zurückzukehren.

Permanent war ich umgeben von frischem Grün und frischer Luft, und begegnete vielen Tieren: Vögeln, Eichhörnchen, Enten, Schwänen und sogar einem Waschbären. Stundenlang konnte ich ihnen zuschauen, ohne dass mir langweilig wurde. All das verursachte in mir ein Gefühl von innerer Ruhe und Ausgeglichenheit.

Selbst das Wäsche waschen von Hand hatte etwas Meditatives. Ich brauchte keinen Fernseher, ließ den Computer öfters aus und las stattdessen ein Buch - entweder draußen an der frischen Luft oder vor dem Kaminfeuer auf dem Hausboot. Mein Lebensstil passte sich sehr schnell an die Wohnweise an: Ich benötigte weniger Klamotten und kochte – mangels Lagerraum - nur noch frisch.

Und doch, diese Lebensform scheint nicht für jedermann den gleichen Effekt zu haben. Ein guter Freund aus Dänemark kam für ursprünglich acht Tage zu Besuch, suchte jedoch nach nur vier Nächten vorzeitig das Weite. Er bekam einen Lagerkoller. Auch meine Arbeitskollegen fanden die Art und Weise zwar spannend, konnten sich aber schwer vorstellen, dauerhaft so zu wohnen.

Was mich gestört hat? Nicht vieles. Zwei Nächte habe ich gefroren im Baumhaus, denn die Dämmung ist nicht vergleichbar mit einem normalen Haus. Aber: Mit einer Wärmflasche konnte ich da schnell Abhilfe schaffen. In der ersten Nacht auf dem Hausboot wurde ich durch die ständigen Bewegungen seekrank – daran hatte ich mich allerdings schnell gewöhnt.

Während meines Aufenthalts in Berlin habe ich mich viel mit alternativen Wohnweisen beschäftigt – und war erstaunt, wie viele Menschen mittlerweile umschwenken und mit minimalem Besitz zurück in die Natur zurück wollen. Auch an mir ging die Zeit nicht spurlos vorbei. Ich weiß jetzt: Ich brauche fast nichts, um glücklich zu leben. Deshalb habe ich meine Wohnung in Düsseldorf gekündigt und mir stattdessen einen VW Bus gekauft.

Nun bin ich dabei, meinen Hausstand aufzulösen. Jeder Gegenstand, der meine Wohnung verlässt, stärkt mein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Mir wird bewusst, wie viel ich besessen und nie benutzt habe. Nur deshalb hatte ich eine so große Wohnung: Um Dinge zu lagern, die ich nicht brauche. Das ändert sich jetzt. Ab Juli ziehe ich in mein mobiles Wohnzimmer um, gehe auf Europareise und werde zum Digitalnomaden. Denn: Schreiben kann ich von überall.

Im Videoblog berichtete Vera Münch in regelmäßigen Abständen von ihren Wohnerfahrungen in den Baumwipfeln und auf dem Wasser. Parallel dazu hat sie sich in einer Artikelreihe mit alternativen Wohnarten im Bereich Minimalismus und Natur beschäftigt.

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