Bergung des Wracks
„Wir müssen die Flugschreiber finden“

Vier Ermittlungsteams haben ihre Arbeit bereits aufgenommen. Die französischen Unfallermittler dämpften am Mittwoch jedoch die Hoffnung auf eine schnelle Aufklärung des mysteriösen Absturzes des französischen Airbus über dem Atlantik.

PARIS/SAO PAULO. Die Black Box des Flugzeugs könnte nach Ansicht französischer Ermittler im Meer verschollen bleiben. Angesichts der großen Wassertiefe sei er „nicht optimistisch“, dass Bergungsschiffe den Flugschreiber finden könnten, sagte der Leiter der Untersuchungsbehörde, Paul-Louis Arslanian, am Mittwoch. Vor dem Start des Air-France-Flugs 447 habe es laut Wartungsunterlagen keinerlei Hinweise auf irgendwelche Probleme gegeben.

Bislang sei noch unklar, ob der Pilot oder einer der Copiloten zum Unglückszeitpunkt das Flugzeug führten, sagte Arslanian auf dem Flughafen Le Bourget nördlich von Paris. „Wir wissen noch nicht mal den genauen Unglückszeitpunkt.“ Genauso unklar sind bislang die Unglücksursache und die Frage, ob das Flugzeug in der Luft auseinanderbrach oder erst beim Aufprall auf die Meeresoberfläche. Diese Luftfahrt-Katastrophe sei die schlimmste, die das Land je erlitten habe. „Wir können uns nicht erlauben zu spekulieren. Wir müssen alles verifizieren“, sagte der Ermittler. Das Flugzeug vom Typ A330-200 war am Montag auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris verunglückt.

Der Absturz habe sich „mitten im Atlantik ereignet“, wo das Wasser sehr tief sei, sagte Arslanian. Dort gebe es unterirdische Gebirge. Man könne das Wrack nicht auf 100 Meter genau orten. „Wir müssen die Flugschreiber finden.“ Er fügte hinzu: „Ich weiß nicht, was wir finden werden. Doch wir werden alles, was wir erfahren, unverzüglich mitteilen, wenn es klar ist.“

Der BEA-Ermittler Alain Bouillard erklärte, vier Ermittlungsteams hätten die Arbeit aufgenommen. Eine Gruppe suche im Meer nach Trümmern. Die zweite analysiere die „Wartung und Geschichte des Flugzeugs“. Das dritte Team überprüfe Einsatz und Nutzung des Flugzeugs und das vierte die Systeme und die Ausrüstung der Maschine. 20 Mitarbeiter der BEA und 30 Experten der Air France und des Herstellers Airbus seien am Werk. Die Experten von Airbus und Air France würden mehrere Tage lang in Brasilien die Funkgespräche und Radarbilder auswerten. „Die Arbeit ist intensiv. Wir sammeln alle Informationen, die uns helfen können“, sagte Bouillard.

Zwei Tage nach dem Absturz der Air-France-Maschine gedenken Menschen weltweit der 228 Opfer. Die brasilianische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. In Paris ist am Nachmittag in der Kathedrale Notre-Dame ein Gottesdienst geplant, an dem auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der deutsche Botschafter in Paris, Reinhard Schäfers, teilnehmen wollen.

Nach Angaben von Air France befanden sich Menschen aus 32 Ländern an Bord des Unglücksflugzeugs, unter ihnen 72 Franzosen, 59 Brasilianer und 26 Deutsche. Das Auswärtige Amt hat die Zahl der Deutschen noch nicht offiziell bestätigt. Inzwischen werden weitere Details über den Unglücksflug bekannt. Die letzte automatische Nachricht sei gewesen, dass Messinstrumente am Cockpit vereist seien, berichtete die Zeitung „Le Parisien“. Das könne dazu geführt haben, dass der Pilot falsche Informationen am Bordcomputer erhalten habe. Es werde auch nicht ausgeschlossen, dass die Maschine in der Luft explodiert sei. Dafür spreche die Tatsache, dass das Notfallsignal nicht funktioniert habe und die Trümmerteile weit verteilt seien.

Die brasilianische Luftwaffe entdeckte unter anderem Metallgegenstände, Kabel und einen auf dem Wasser treibenden Passagiersitz. Die Bergungsarbeiten werden dadurch erschwert, dass der Atlantik an dieser Stelle bis zu 4000 Metern tief ist und sich auf dem Meeresgrund ein Gebirge befindet. Unter den deutschen Passagieren war eine fünfköpfige Familie aus Baden-Württemberg. Neun Passagiere sollen einen Weiterflug nach München gebucht haben. Elf Reisende wollten nach Stuttgart reisen, sechs hatten einen Abschlussflug nach Berlin gebucht.

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