Concorde
Ein Stück Lady

Um die Concorde weht ein Mythos: Als schnellstes, glamourösestes Passagierflugzeug der Geschichte wird sie immer in Erinnerung bleiben. Mit ihr zu fliegen, war nie billig. Jetzt sollen überzählige Ersatzteile des Überschalljets Spitzenpreise erzielen.

Manche Mythen lassen sich unendlich ausschlachten. Lady Diana zum Beispiel. Seit zehn Jahren ist sie nun tot: Ein prima Anlass für viele, noch nie gehörte Neuigkeiten über Englands „Prinzessin der Herzen“, wie sie Tony Blair kurz nach ihrem tödlichen Unfall nannte, zu veröffentlichen: Die Journalistin Tina Brown legte sogar – mit wiedergekauten Informationen – einen Bestseller über die wahre Diana auf .

Um die Concorde weht ebenfalls ein Mythos: Als schnellstes, glamourösestes Passagierflugzeug der Geschichte wird sie immer in Erinnerung bleiben. Sie war das Statussymbol der Wirtschaftsbosse und Star-Society: Zweimal so schnell wie in jedem anderen Flugzeug überquerten die 100 Passagiere den Atlantik – in nur drei Stunden. In den engen Sitzreihen wurde Champagner und Beluga-Kaviar serviert, auf Geschirr der Innenarchitektin Andrée Putman. Obwohl die Concorde ein Flugzeug ist, wird sie als Dame bezeichnet. Bernie Ecclestone, Chef der Formel 1, war treuer Passagier. Genauso wie Lady Diana und John Collins, die Schöne, Böse aus dem Denver-Clan. Der Sänger Phil Collins konnte sogar mit Hilfe der Concorde am selben Tag zur selben Ortszeit bei zwei Live-Aid-Konzerten auftreten: in New York und in London.

Geschichten wie diese und die Tatsache, dass Lady Concorde nur drei Stunden brauchte, um von London nach New York zu fliegen, ja sogar nur 31 Stunden, um ein Mal den gesamten Erdball zu umrunden, Geschichten wie diese also schüren den Mythos der Concorde mehr, als dass ihr der tragische Unfall (am 25. Juli 2000 stürzte eine Concorde nach dem Start in Paris ab) schadet, der sie letztendlich zu Fall brachte: Am 26. November 2003 startete die Concorde zum letzten Mal in Heathrow. Ihr Ziel – das Luftfahrt-Museum in der britischen Stadt Filton. Im selben Jahr wurden dann bei Christie’s in Paris und Bonhams in London Stückchen für Stückchen der berühmten Maschinen verkauft. Am begehrtesten waren die Nasen, die jeweils über 400 000 Euro brachten. Insgesamt spielten die beiden Auktionen seinerzeit 4,4 Millionen Euro ein. Kein Wunder also, dass sich findige Köpfe umgesehen haben und schließlich noch ein Ersatzteillager der Concorde geplündert haben. In der Stadt Toulouse, da, wo alles begann, damals, 1969, dort geht es jetzt wahrscheinlich endgültig zu Ende: das Kapitel „Supersonic Jet Set“.

Was allerdings in den Auktionskatalogen angeboten wird, ist alles andere als Jet Set: Hydraulikschrauben, Schläuche, Temperaturmesser, Notausgangstüren-Scharniere und viele andere potenzielle Staubfänger werden zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten ab 20 Euro angeboten. Die teuersten Stücke sind Machmeter, mit denen die Schallgeschwindigkeit angezeigt wurde. Der Schätzpreis liegt zwischen 1 500 und 2 500 Euro – doch bei vorhergehenden Auktionen gingen solche Teile für ein Vielfaches des Schätzpreises weg.

Der Grund für diese Auktion ergibt Sinn: Der Erlös soll den Aeronatautical Discovery Park „Aeroscopia“ in Toulouse finanzieren. Die Stadt Toulouse plant die Eröffnung des Parks 2010. Doch welchen Sinn hat es, ein Höhenmessgerät aus dem Ersatzteillager der Concorde zu besitzen? Vielleicht ja die furchtbar schwache Hoffnung aufrecht zu erhalten, dass – wenn sich alle Käufer von Ersatzteilen, Bordbüchern, Plänen und sogar Bordgeschirr eines Tages zusammenfinden – man dann doch noch eines Tages die Lady reanimieren könnte.

Frankreich träumt unterdessen schon einen neuen Jet-Set-Traum: Von Marc Newson designte Passagier-Raketen ins All zu schicken. Auktionstermine hierfür werden noch bekannt gegeben.

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