Der Werber-Rat
Tragen Sie ruhig mal Sneakers!

Ein strenger Kleidungskodex ist eine vermeidbare Hürde zwischen Unternehmen und jungen Talenten. Dabei müssen es nicht immer Lackschuhe sein. Wichtig ist, dass man sich selbst treu bleibt – auch bei der Schuhauswahl.
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„Kleider machen Leute“, heißt es in der Novelle des Dichters Gottfried Keller. Sie handelt von einem Schneidergesellen, der trotz Armut wegen seiner Kleidung für einen Grafen gehalten wird.

Das Fazit: Innere Werte sind wichtiger als das äußere Erscheinungsbild. Ja, sicher. Und doch herrscht auch heute noch in vielen Branchen ein strenger Kleidungskodex.

Egal ob beim Handelskongress, beim Marken-Summit, ja selbst bei Sport-Events: Anzug kombiniert mit Krawatte ist ein Muss. Doch was vor Jahren als Symbol für seriöse Geschäftsmänner galt, entpuppt sich im digitalen Zeitalter als eine regelrechte Branchenbarriere im War for Talents.

Die Geschäftswelt hat sich gewandelt – und mit ihr das Verständnis von Mode. 140 Jahre nach Erscheinen der besagten Novelle schauen wir mit Respekt und auch etwas Neid auf die Start-ups in den USA. Die Vorbilder der heutigen Zeit sind keine Grafen, sondern Unternehmenslenker digitaler Firmen wie Twitter, Facebook und Uber.

CEOs, die sich nicht länger zwanghaft in Anzüge stecken lassen, sondern sich selbst treu bleiben: in Hoodie, T-Shirt, Jeans und Sneakers. Sogar in Adiletten, die Facebook-Chef Mark Zuckerberg – mehrfacher Milliardär – zu seiner präferierten Schuhmode auserkoren hat. 

Die „Leaders of tomorrow“ wollen in modernen, innovativen Unternehmen arbeiten, deren Chefs Wert auf Inhalte und weniger auf Kleidung legen. Die Einführung eines „Casual Friday“ könnte ein erster Schritt für viele Firmen sein.

Oder sie machen es gleich wie der scheidende Twitter-Chef Dick Costolo, auf dessen Einladung an 140 Geschäftsleute in Deutschland in diesen Tagen steht: „The Dresscode is smart casual. Feel free to wear sneakers.“

Der Autor: Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

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