Dress for Succes
Anpfiff zum Colour-Blocking

Farben und Fußball: Beide rufen starke Emotionen hervor. In der Mode gelten jedoch andere Regeln als auf dem Fußballfeld. In diesem Sommer gewinnen schrille Farben wie Orange und Rot - wenn man sie richtig einsetzt.
  • 0

Warum wohl hat die deutsche Mannschaft gegen die Holländer gewonnen? Weil sie besser ist? Oder weil Mario Gomez orange-rot gesehen und wie ein Stier das gegnerische Tor gestürmt hat? Hatte er gegen die rotweinfarbenen Portugiesen seinen ersten Treffer gelandet, waren’s gegen die Oranjehemden, diese wandelnden Warndreiecke gleich zwei. Weit hergeholt? Egal, Hauptsache gewonnen. Farbpsychologen sind in der allgemeinen Sportschau zwar nicht gefragt, wären aber mal einen Fußballfeldversuch wert.

Die Macht der Farben ist ja längst wissenschaftlich nachgewiesen. Nicht nur auf freiem Fußballfeld. Starkes Beispiel: „Cool down pink“. Ein Modellversuch in diversen Justizvollzugsanstalten. Da werden in Dortmund Gefangene, die aufeinander losgehen, vorübergehend in eine rosarote Zelle gesperrt, damit sie wieder runter kommen. Frühkindliche Erfahrung: Bonbons und deren Farben beruhigen.

Und Frauen in rosa sind doch einfach süß, oder? Männer fahren offensichtlich zuerst auf Farben (Verpackung), dann erst auf die Frauen (Inhalt) ab. Beweist ein Test, bei dem Studenten Bilder von hübschen jungen Frauen vorgeführt wurden. Die Probanden sollten sagen, welche sie attraktiv finden. Ein Mädchen in einem roten Pulli fanden sie heiß. Dieselbe junge Dame im blauen Pulli ließ sie dagegen kalt.

Das wird Bundestrainer Jogi Löw kaum kratzen, der hält an seinem blauen Glückspulli fest (Baby-Kaschmir von Strenesse, 199 Euro). Blau beruhigt, steht für Vertrauen. Seine Mannen machen derweil eine neutrale Farb-Figur in schwarz-weiß. Farbpsychologisch eine Sowohl-als-auch- eine Non-Colour-Kombi. Gut aussehend, wenig aufregend. Damit kommt man weiter. Bis jetzt.

Kein Zweifel: Farbe sendet Signale, löst Assoziationen aus, bewusste und unbewusste. Sagt schon die Umgangssprache: Man(n) sieht rot, schwarz oder durch die rosarote Brille, macht blau, ist Jemanden nicht grün oder gar gelb vor Neid.

In der Mode ist in diesem Sommer ist Colour-Blocking angesagt. Auch für Männer. Dazu gehört Modemut. Und Spieltrieb. Wer’s zu bunt treibt, riskiert nicht nur Lächerlichkeit, sondern einen Anpfiff von der Partnerin. Gekonnt kombiniert werden starke Farben einzelteilig in strikter Abgrenzung, manchmal sogar solche, die sich nach herkömmlicher Anschauung „beißen“. Das kann Rot zu Pink sein, Grasgrün zu Qietschgelb, aber auch vornehm Blau zu Schwarz, möglichst auch mit kontrastfarbenen Schuhen und Accessoires, oft mit (farbigem) Hut. Sieht natürlich am besten zu leicht gebräunter Haut aus. Und dort, wo nicht gerade hart gearbeitet wird.

Auch die Trikotfarbe der Oranjer spielt beim Colour Blocking eine tragende Rolle. Dabei steht leuchtendes Orange ja eigentlich für die Abwehr von Gefahren. Sowohl CDU als auch die Piraten haben sich die Signalfarbe auf ihr Panier geschrieben. Gewerkschaften nutzen sie zum Protest. Im Kampfsport signalisiert sie den Ausbildungs-Stand. Orange ist da den unteren Schülergraden vorbehalten.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

Kommentare zu " Dress for Succes: Anpfiff zum Colour-Blocking"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%