Dress for Success
Deformierte Schönheit

Mode ist Kommunikation. Erst recht, wenn sie eine Bühne hat. Doch um die Kostüme der japanischen Modekünstlerin Rei Kawakubo ins Düsseldorfer Ballett zu bringen, musste der Choreograph einige Strapazen auf sich nehmen.
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DüsseldorfDie japanische Mode-Designerin Rei Kawakubo hat dem amerikanischen Tänzer und Choreographen Merce Cunningham 1997 eine schroffe Absage erteilt. Vom Tanz verstehe sie nichts, deshalb könne sie seinen Auftrag nicht annehmen.

Die radikal avantgardistische Modemacherin, die mit ihren Entwürfen schon immer aus der Reihe tanzte, war mit ihrer eigenen Kollektion beschäftigt: „Body Meets Dress, Dress Meets Body“. Sie ist dafür bekannt, dass sie in ihren Kreationen Inneres nach Außen kehrt, oben und unten vertauscht, letztendlich das Unvollkommene in Perfektion präsentiert. Eigentlich unbeschreiblich, für viele untragbar, aber einfach faszinierend.

Doch dann ließ sie sich doch auf das Experiment ein, Tanz und Mode zu einem Gesamtkunstwerk zu machen, und interpretierte es auf ihre Art. Rei Kawakubo umspielte den Körper, zwängte ihn nicht ein, sondern erweiterte ihn um Wülste und Ausbuchten an den verschiedensten Stellen: Schultern, Rücken, Hüfte, Gesäß. So entstand eine groteske Eleganz, die im Tanz ständig wechselnde, ungewohnte Formen annimmt.

Cunningham hatte zuvor schon mit renommierten Künstlern wie John Cage, Robert Rauschenberg, Andy Warhol oder Jasper Johns zusammengearbeitet. Sein mit Rei Kawakubo beim Next Wave Festival an der New Yorker Brooklyn Academy of Music uraufgeführtes „Scenario“ war eines seiner spektakulärsten Stücke. Ein lebendiges Gesamtkunstwerk. Es entführte den Zuschauer in eine fremde Welt, in der Deformation und Schönheit kein Widerspruch sind, sondern sich auf eine ungewöhnliche Weise zu ergänzen schienen.

„Scenario“ ist längst ein moderner Klassiker, Rei Kawakubos ungewöhnliche Kostüme landeten im Museum, im Walker Art Center in Minneapolis. Von dort wollte sie jetzt der Choreograph Martin Schläpfer für seinen Ballettabend b.19 zurückholen auf die Bühne der Deutschen Oper am Rhein. Doch er holte sich Absagen, vom Museum in den USA wie von der scheuen Modeschöpferin in Japan.

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