Dress for Success
Ein T-Shirt sagt mehr als tausend Worte

Themen-T-Shirts können alles: Philosophisch, humorvoll, albern, sexistisch, politisch. Sind sie deshalb auch straßentauglich? Geschmackssache. Im schlimmsten Falle kann man wegen ihnen sogar hinter Gittern landen.
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Der Sommer bringt es an den Tag: Brust frei für Bilder, Texte dumme Sprüche. Wer sonst nichts zu sagen hat, brüstet sich mit Statements auf seinem T-Shirt. „Ich bin nicht 50, ich bin 18 mit 32 Jahren Erfahrung“ oder „Als Gott mich schuf, wollte er angeben.“ Selbst Rentner zieren sich: „Ich bin ein Knackiger 60er, mal knackt es hier, mal knackt es da.“ Beknackter Humor zum Überziehen. Irgendwie billig.

Am schlimmsten sind die alberenen Junggesellen-Abschieds-Hemdchen mit meist individuellen Motiven, die eigentlich unter die Gürtellinie gehören. Die metroprolligen Wochenend-Plagegeister wären besser bedient mit dem Aufdruck aus dem Online-Versand: sollten sich besser gleich im Online-Versand „Ich kann auch ohne Spaß Alkohol haben“.

Die Auswahl ist riesig, unterteilt nach Rubriken wie Provokatives, Trickfilm oder Alkohol und Drogen („Two Beer or not two Beer. Shakesbeer) oder gar Politisches von „Frei Ai Wei Wei“ bis „Make Coffee not War“. Manchmal ist auch was wirklich Witziges dabei wie „Wir essen jetzt Opa“ zum Beweis dafür, dass Satzzeichen Leben retten können.

Sogar Beleidigungen gibt es auf Bestellung – 30 Tage Rückgaberecht. Ob man sich was aus der Rubrik Bürohumor bestellt, sollte man sich gut überlegen. Vielleicht versteht der Chef es ja nicht falsch, sondern richtig, wenn er auf der Angestelltenbrust liest „Ich denke, also bin ich – hier falsch“. Nichts Passendes gefunden? Macht nichts: „Bestelle Dein Unikat“. Wenn man keins ist oder kennt, greift man zu Bud Spencer oder Benjamin Blümchen.

Schlimmer geht’s (n)immer? Doch, ja! Nach einem brutalen Überfall auf einen 36-jährigen im Düsseldorfer Trendviertel Flingern konnte die Polizei einen der beiden mutmaßlichen Täter ziemlich schnell anhand seines roten T-Shirts identifizieren und festnehmen, mit dem er sich vermummt hatte und das anschließend in der Nähe des Tatorts im Müll gefunden wurde. Ein eher seltenes Teil mit dem Aufdruck des Gangster-Rappers Xatar.

Seine Gefangenennummer war gleich mit draufgedruckt, denn der sitzt gerade eine achtjährige Haftstrafe ab. Wichtiger war jedoch, dass davon nur drei Teile per Internet nach Düsseldorf verkauft worden waren. Eines davon an Marcel S. Der kriegt jetzt wahrscheinlich bald eine eigene Nummer.

Modischer Merksatz: Wer eine weiße Weste behalten will, tarnt sich besser mit einem ebensolchen unschuldigen T-Shirt.

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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