Ein rasanter Reisebericht aus dem „Shanghai Transrapid“
Ferngesteuert in der Schwebe

Alle Augen hängen an den drei eckigen, grün leuchtenden Ziffern der Geschwindigkeitsanzeige. Eben standen sie noch auf Null, doch schließlich – einmal in Bewegung – arbeiten sie sich erst zögernd, dann aber zügig höher, höher und höher.

HB DÜSSELDORF.Rasch sind 100 Kilometer pro Stunde erreicht, für Sekundenbruchteile nur, es geht stetig weiter aufwärts. Die 200, bald darauf die 300, dann – unvorstellbar! – die 400. Und weiter geht der Temporausch: Erst kurz darauf stoppt das Zahlenspiel, scheinbar unschlüssig zwischen 430 und 431 pendelnd. Vierhundertundeinunddreißig!

Ob Asiaten, Europäer, Amerikaner – niemand hält es mehr auf den Sitzen im Großraumabteil des „Shanghai Transrapid“, das an einen ICE erinnert. Vergessen sind Jetlag, Langstreckenflug und gerade überstandene Einreise-Warteschlangen: Auf die 430 km/h haben sie alle mit Hochspannung gewartet. Einer nach dem anderen baut sich fasziniert vor der Anzeige auf. Kameras werden herumgereicht, Blitzlichter zucken auf.

Es gilt, das Ereignis für Familie, Freunde und Nachwelt zu dokumentieren: So schnell wie mit der Magnetschwebebahn, die den internationalen Flughafen der chinesischen Mega-Metropole Schanghai in nur sieben Minuten mit dem 31 Kilometer entfernten Finanzdistrikt Pudong verbindet, hat sich bisher kaum ein Mensch auf dem Landweg vorwärts bewegen können!

Tempo 431 in der ersten fahrplanmäßig verkehrenden Magnetbahn der Welt: Draußen fliegt eine vorwiegend grüne Landschaft vorbei, durch die Felder, Häuser, Brücken, Kreuzungen, Stromleitungsmasten zu verwischen scheinen. Autos auf der Schnellstraße, die parallel zur Magnetbahn verläuft, haben keine Chance mitzuhalten; sie scheinen zu stehen. Schließlich taucht schemenhaft die Wolkenkratzerkulisse Schanghais am dunstigen Horizont auf.

Ohne die Geschwindigkeitsanzeige im „Shanghai Transrapid“ wäre der Temporausch nicht perfekt. So unspektakulär ist das Reiseerlebnis, dass viele Fahrgäste den Rekord nicht wahrnehmen würden, wären nicht die rasant purzelnden Zahlen. Sicher, die schnelle Bahn mit der Hochtechnologie made in Germany ruckelt und stampft ein wenig auf ihrer Betonspur, doch die Sinne sind weit davon entfernt, das Außergewöhnliche zu registrieren. Das Fahrgefühl ist fast alltäglich und banal; es erinnert eher an einen Intercity bei Tempo 160 als an High Tech wie von Geisterhand: Ohne Lokführer fährt der Zug, ferngesteuert und vollautomatisch.

Auch die Geräusche, die von draußen in die klimatisierte hermetisch isolierte Kabine hereindringen, haben nichts Dramatisches, im Gegenteil: Sie sind nichts als pfeifender Fahrtwind. Echte Fahrgeräusche – etwa von rollenden Rädern auf stählernen Schienen – produziert diese Bahn nicht. Wie denn auch? Sie schwebt berührungsfrei millimetergenau über ihre Piste.

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