El Salvador
Amerikas Däumling

El Salvador, das kleinste Land Zentralamerikas, öffnet sich allmählich für Gäste aus aller Welt. Die attraktivsten Routen haben bereits touristische Straßennamen erhalten und die Einheimischen errichten Aussichtsbalkone für die Besucher. Trotz des zunehmenden Tourimsus - wer das Land entdecken will, kommt um Spanischkenntnisse nicht herum.

Eine leere Flasche Wodka, eine leere Flasche Whiskey, ein paar Dosen Bier auf dem Tisch – und etliche noch in einer Einkaufstüte.

Vor zwanzig Jahren wäre bei seinem Anblick wohl fast jeder Mensch erzittert. Nicht vor Ehrfurcht, vor Angst. Heute sitzt da Julio. Er spricht, als wollte er alles verdrängen, er trinkt gemütlich sein nächstes Dosenbier und reißt Witze. Der Name seiner Heimat: „El Pulgarcito de América“, der Däumling Amerikas, El Salvador. Das kleine Land in Zentralamerika mag zwar auf dem Globus nur mit der Lupe zu entdecken sein, dennoch hat es auf Grund seiner Geschichte, die geprägt ist von Bürgerkrieg und Naturkatastrophen, immer wieder weltweit Schlagzeilen produziert. Leider oft negative.

1821 erlangte El Salvador die Unabhängigkeit von der einstigen Kolonialmacht Spanien. Wirtschaftlich lebte das Land vom Kaffee, doch die weltweit begehrte Droge brachte auch Unglück über das Land. Darunter waren blutige Putsche und Aufstände von Landarbeitern gegen die Kaffeebarone. Bei einem Massaker (La Matanza), das traurige Berühmtheit erlangte, wurden 1932 etwa 30 000 Menschen ermordet.

Dieses Massaker wird allgemein auch als das Ende der indigenen Völker El Salvadors angesehen. Menschen wurden zum Teil getötet, weil sie Nahuatl (Pipil) sprachen oder indianische Kleidung trugen. Jahrzehnte später war das mittlerweile große Wohlstandsgefälle ein Grund für den Bürgerkrieg, der von 1980 bis 1991 dauerte. Auslöser war die Ermordung des Befreiungstheologen und Erzbischofs Oscar Romero durch rechtsgerichtete Todesschwadronen in einer Kirche.

Der damals frisch gewählte US-Präsident Ronald Reagan unterstützte das Regime mit der Entsendung von militärischen Ausbildern und der Lieferung von Waffen. Unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen wurde der Alptraum 1992 beendet. Zwischen der damaligen Regierung und einem Bündnis von fünf Guerilla-Organisationen wurde ein Friedensvertrag unterzeichnet, der bis heute hält.

Von all dem möchte Julio jedoch nichts hören. „Vorbei ist vorbei. Schauen Sie sich El Salvador an, was sehen Sie?“ fragt er, während seine Faust das Kinn stützt. In der Tat: Viel Unerwartetes, Überraschendes erlebt der El-Salvador-Reisende. Es beginnt schon bei der Fahrt vom Flughafen zur Hauptstadt San Salvador. Eine gut gebaute Straße, die an Europas Autobahnen erinnert. Und dann der Schock. Oder ist es ein Kulturschock? Supermärkte, in denen nichts fehlt, luxuriöse Einkaufszentren. Und überall sind Marken wie Armani, Tiffany, Louis Vuitton präsent.

Zum klassischen Besuchsprogramm gehört das Museo Nacional de Antropología David J. Guzmán, in dem herausragende Ausgrabungsfunde aus Mayastätten präsentiert werden, etwa die sehr seltenen Copador-Keramiken. „Copador“ – eine Wortkombination aus Copán und Salvador – bezeichnet eine Stilmischung, die durch den Handel zwischen den Mayastädten des heutigen El Salvadors und Copán in Honduras aufblühte.

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