Falkensteins Weinmacher
Eigenwilliger Wein aus Chile

Weinanbaugebiete sind in Chile rar. Patricio Palacios machte aus der Not eine Tugend: Er beackerte ein vermeintlich trockenes Tal und verwandelte es in eine fruchtbare Fläche. Die Mühe hat sich gelohnt: Wo früher nur dorniges Gestrüpp und Kakteen wuchsen, entsteht heute ein ganz besonderer Tropfen.
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KOELN. Patricio Palacios, 61 Jahre alt, hat als junger Mann in Santiago de Chile Werbung und Marketing studiert. Als Verkaufsförderer war er damals in den unterschiedlichsten Branchen tätig: Fischwirtschaft, Bauwesen, Textil, Maschinenbau, Tourismus und er begleitete Filmproduktionen. Und mit Weinbau hatte er auch schon einmal zu tun.

Doch die Welt der Reben hat ihn nie losgelassen. Er versuchte es einmal mit einem kleinen Winzerhof im Valle de Maipo. Aber die Lagen taugten nichts, die Weine schmeckten fad. Also verkaufte er alles und machte weiter als Werbemann. Als er auf die 50 zuging, war er das ruhelose Leben von einer Firma zur nächsten gründlich leid. Er hatte Geld zurückgelegt und wollte ein eigenes Unternehmen aufbauen, ein kleines Reich schaffen. Eins, in dem sich die ganze Familie wiederfinden konnte. Don Patricio versuchte es daher noch einmal mit Weinbau. Er gründete die Viña Tres Palacios.

In den traditionellen Anbaugebieten von Chile sind gute Lagen vergeben oder unbezahlbar. Also durchstreifte er mit einem befreundeten Fachmann aus Frankreich immer wieder das Umland von Santiago. Nach drei Jahren wurde er endlich jenseits der Küstenkordilleren in der Nähe des Meeres fündig. Ein Tal namens Cholqui hatte es ihm angetan. Es ist umgeben von hohen Bergen und nur nach Westen zum Pazifik hin geöffnet. Dank dem stetigen Seewind herrscht dort immer ein etwas kühleres Klima als im Landesinneren. Da also, so rechnete er sich aus, sollten die Trauben langsamer reifen und elegantere Weine bringen.

Der Plan war nicht frei von Risiken. In diesem Tal war noch niemals zuvor irgend etwas angebaut worden. Außer dornigem Gestrüpp und Kakteen wuchs absolut nichts. Auch wenn die Brisen vom Meer feuchte Luft brachten, so war der Boden an dieser Stelle - uraltes Schwemmland - völlig trocken. Weinreben aber brauchen Nass, um zu gedeihen. Also musste aufs Geratewohl nach Wasser gebohrt werden - ein mühseliges Unterfangen mit völlig ungewissem Ausgang.

Wochen des bangen Wartens folgten. Dann das erlösende "enhora-buena": Erst in 60 Meter Tiefe fanden die beauftragten Ingenieure ein ausreichend großes Wasserreservoir. Damit können die Reben während der langen Trockenzeit im Sommer bewässert werden. "Sie kriegen aber wirklich nur das Allernotwendigste ab", erklärt Patricio Palacio. "Sonst werden die Trauben zu groß und ergeben einen mageren Wein."

Mit vielen Helfern ließ der unermüdliche Mann das Gelände urbar machen. Nach und nach entstanden 78 Hektar Weinberge. Umgerechnet etwa acht Millionen Euro hat das Unterfangen am Ende gekostet. Im Jahre 2002 wurde dann der erste Wein geerntet.

Inzwischen steht Sohn Lucas, 35 Jahre alt, dem Vater zur Seite. Er hat Betriebswirtschaft und Weinbau studiert, ist also dafür bestens ausgebildet. Damit sind jetzt zwei Generationen in dem stolzen Betrieb beschäftigt. Doch wieso heißt das Gut "Viña Tres Palacios"? Wer ist die Nummer drei in dem Namen des Weins? Der Junior Lucas Palacio lächelt: "Vater ist ein Familienmensch und er denkt langfristig. Er wollte mit dem Gut so etwas wie eine Dynastie begründen. Die Drei steht für die Generation der Enkel, die ja noch eines Tages in den nächsten Jahren in das Unternehmen hineinwachsen werden." Zehn Kindeskinder hat Don Patricio bereits heute - und ein elftes Enkelkind ist gerade unterwegs.

Die Palacios-Weinberge sind zu einem großen Teil mit der Rebsorte Carménère bepflanzt. Sie stammt aus Südfrankreich, wird dort aber kaum noch angebaut. Dafür ist sie in Chile zu einer nationalen Traube geworden, die eigenständige, ja eigenwillige Weine bringt, wie sie anderswo nicht zu finden sind. Am 2007-er lässt sich das angenehm erschmecken. Typisch ist der Duft von Eukalyptus und Minze. Die herbe Frucht spielt zwischen Pflaume und Schlehe. Pfeffrige Töne mischen sich ein. Auch etwas Holz vom Barrique ist zu ahnen. Weich, fast sämig gleitet der Wein über die Zunge, um lange nachzuklingen. Geschmorte Schweinebäckchen passen wunderbar dazu.

Carménère:

Jahrgang 2007 Rebsorte: Carménère Anbaugebiet Chile, Analyse 14,2ll Alkohol, 5,6 g Säure, 1,3 g Restzucker (pro Liter) Trinken bis: 2011 Preis ab Lager: 8.90 Euro, Chile Wein Contor Adresse: Bergheimer Straße 1, 53909 Zülpich Tel: 02252/4073, info@cwc.de, www.cwc.de

Kommentare zu " Falkensteins Weinmacher: Eigenwilliger Wein aus Chile"

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  • @ Denkerist

    Der klassische barrique-Ausbau (Form des Fassausbaus) eines Weines hat das Ziel, Geschmackskomponenten des für die Fässer verwendeten Eichenholzes in den Wein einzubringen. Es findet also eine Aromatisierung des Weines statt, weil auf diese Weise zusätzliche Stoffe in den Wein gelangen.
    Es gibt neue Verfahren, bei denen die Geschmacksstoffe des Eichenholzes mit weniger Aufwand (und deshalb kostengünstiger) in den entsprechenden Wein gebracht werden können. Die bandbreite dieser Verfahren reicht vom Einbringen von Eichenholzfragmenten in den (in Stahltanks gelagerten) Wein bis hin zur Vermischung des Weins mit Eichenholzextrakten (in Form von Tabletten, Pulvern usw.).
    Diese neuen Verfahren bewegen sich somit auf der Grenze zwischen der „Aromatisierung“ und der „Weinverfälschung“ und können die Qualität eines herkömmlichen barriqueausbaus in Eichenfässern nur imitieren, jedoch in keinem Fall ersetzen.
    im Allgemeinen habe ich ebenfalls gelesen, dass diese neuen Verfahren in der Vergangenheit in größerem Umfang vor allem in Übersee angewendet worden sind.
    Es stimmt ebenfalls, dass beim Ausbau von Wein innerhalb der EU die Verwendung von Eichenholzstücken verboten war. Auf Grund dieser Gegebenheiten hat man im Verlaufe der vergangenen Jahre auf internationaler Ebene eine Wettbewerbsverzerrung feststellen müssen.
    Diese Probleme verschärften sich Ende 2005 durch die Unterzeichnung eines Handelsabkommens zwischen der EU und den USA. Folge: Die Verwendung von Eichenholzstücken wurde in zwei Stufen (November 2006 und August 2009) auch in der EU erlaubt.
    Doch nun endlich zu „den chilenischen Weinen“:
    ich habe selber über 5 Jahre in Chile gelebt und hatte beruflich häufig mit chilenischen Weingütern zu tun. Wenn man durch Chile fährt, sieht man zwar relativ häufig große Edelstahltanks in den Produktionsstätten; man muss sich allerdings auch bewusst sein, dass die barrique-Weine einen bruchteil der gesamten Weinproduktion Chiles ausmachen.
    Chilenen stehen in dem Ruf die „Preußen Lateinamerikas“ zu sein und so habe ich sie auch kennengelernt. ich habe dort nie einen Reserva-Wein aus einem Stahltank kommen sehen und habe in den dortigen Weinkellern Unmengen von barrique-Fässern gesehen, in denen die Topqualitäten der jeweiligen Weingüter ausgebaut wurden. Aber ich kann natürlich nicht ausschließen, dass es auch in Chile einige wenige Winzer gibt, die sich „neuer Verfahren“ bedienen und die beschriebene Gratwanderung zwischen „Aromatisierung“ und „Weinverfälschung“ vollziehen.
    Aber wie bereits erwähnt: diese Winzer gibt es inzwischen auch ganz legal in der EU.

    P.S.: Wenn Sie meinen Namen in eine Suchmaschine eingegeben haben, werden Sie bei den ausgeworfenen Ergebnissen wahrscheinlich zuerst auf die Adresse unseres „alten“ Online-Weinhandels gestoßen sein. bei diesem erhalten Sie eine Meldung, die mit „Kurze technische Pause im Shop“ beginnt. inzwischen besitzen wir jedoch eine neue internetpräsenz, die zu 100% unter unserem Firmennamen läuft. Schauen Sie doch einfach einmal auf die zweite Ergebnisseite . . . dort finden Sie einen direkten Link zu unserem Weinversand . . . und bald dann natürlich auch wieder auf der ersten Ergebnisseite! ;-)

  • @ Frank Eschenbeck

    Man hört heute viel von Weinkompositionen (besonders fällt hier Rothschild auf), wie ist das bei chilenischen Wein. Wie natürlich ist der ? Hat der auch schon künstliche Zusatzstoffe wie Holz etc.
    Deshalb bin ich bei Übersee-Weinen (Chile, Kalifornien, Südafrika, Australia) sehr vorsichtig!

    Übrigens, ihre HP ist gerade offline!

  • . . . nämlich bei uns! :D

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