Falkensteins Weinmacher
Erst unterschätzt, dann geschätzt

Vor fünf Jahren waren Weine von Paul-Josef Schäfer ganz ordentlich, aber nicht unbedingt überragend. Gerne schauten berühmten Kollegen auf den gelernten Metzger herab. Doch dann regnete es Preise. Zweimal gab es den Deutschen Rotweinpreis. Und jetzt der dreifache Sieg um den besten Ahr-Burgunder.
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KÖLN. Wäre der jährliche Wettbewerb um den besten Ahr-Burgunder eine olympische Disziplin, stünde Paul-Josef Schäfer mit seinen Söhnen auf allen drei Stufen des Siegertreppchens. Der Herr des Weingutes Burggarten in Heppingen belegte sämtliche vorderen Plätze. Als er davon erfuhr, brummte er: "Ich sag's doch, ich werde immer unterschätzt." Die Nachbarn erkannten wohl an, dass der untersetzte, kantige Mann fast schwindelerregende Tüchtigkeit an den Tag legt. Doch was die Güte seiner Weine anging, da schauten die berühmten Kollegen gerne auf ihn - den gelernten Metzger - herab.

Der 57-Jährige war nie auf einer Weinbauschule, hat sich alles selbst beigebracht. 1986 beschloss Paul-Josef Schäfer, Fleisch und Würste dran zu geben. Er übernahm die Reben vom Vater und begann, selbst Wein zu erzeugen. Er besuchte Kurse, um sich für seinen neuen Beruf fit zu machen und kaufte Weingärten hinzu, auch an der Mosel, um guten Riesling im Programm zu haben. In Heppingen erstand er ein altes Kellereigebäude. Das Anwesen liegt am Fuße der großartigen Lage Burggarten. Also wählte er diesen Namen für sein neues Weingut.

Die meisten Kunden kamen zu ihm auf den Hof, luden sich den Kofferraum voll, gingen ein wenig wandern und übernachteten irgendwo. "Das können wir auch selbst machen", sagte Schäfer zu seiner Frau Gitta. So bauten sie ein Hotel garni, das sie leitet. Die Führer stufen es als bestes Gästehaus der Gegend ein. "Die anderthalb Millionen haben sich gelohnt", findet Schäfer.

Vor fünf Jahren waren seine Weine ordentlich, gediegen, brav, nicht unbedingt überragend. Doch dann gab es zweimal den Deutschen Rotweinpreis. Und jetzt der dreifache Sieg.

Den raschen Anschluss an die Spitze des Anbaugebiets hat Schäfer seinen drei Söhnen zu verdanken, studierte Weinbautechniker. Paul-Michael hat den Keller unter sich. Die beiden Jüngeren, Heiko und Andreas-Josef, teilen sich die Arbeit in den meist steilen Weingärten. Die Brüder sind eine eingespielte Mannschaft. Der Vater, der Verkauf und Organisation betreut, lässt sie gewähren. Wenn ihm das Diskutieren zu viel wird, haut er auf den Tisch: "So wird's gemacht!"

Die drei siegreichen Spätburgunder wurden gemeinsam mit genussfähigen Bekannten nachprobiert. Die Wahl fiel nicht leicht. Entschieden wurde schließlich nach dem Je-leerer-desto-besser-System. Die Flasche, die zuerst ausgetrunken war, bekam den Zuschlag.

Der 2008-er (an der Ahr ein guter Jahrgang) mutet trotz reichlichen Alkohols schlank an. Er besticht durch seine frisch-fruchtige Säure mit ausgeprägtem Kirsch- und Cassis-Aroma. Rauchige Töne vom Schieferboden, ein Hauch Lebkuchengewürz und eine Holznote kommen hinzu. Am besten passt er zu Wild.

Heimersheimer Burggarten "Fass 39"


Jahrgang

2008
Rebsorte Spätburgunder
Anbaugebiet Ahr
Analyse 14,1ll
Alkohol, 4,6 g Säure, 2,3 g Restzucker (pro Liter)
Trinken bis 1012
Preis ab Hof 16 Euro
Adresse Weingut Burggarten, Landskroner Straße 61

Tel.: 02641 / 21280
Fax: 02641 / 79220

burggarten@t-online.de


www.weingut-burggarten.de

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